Eine «Komödie für Musik» soll der «Rosenkavalier» sein, keine therapeutische Sitzung und kein ideologischer Theaterznacht. Leichtfüssig und doch ganz abgründig der Text von Hugo von Hofmannsthal (»Manchmal steh ich auf mitten in der Nacht und lass die Uhren alle stehn.» / «Mach Er bonne mine mauvais jeu: So bleibt Er quasi doch noch eine Standsperson.»), für uns heute das ferne Wetterleuchten einer vergangenen (goldenen, silbernen) Walzerzeit, und dazu die alles in tiefem Ernst und in Schabernack ausleuchtende Musik von Richard Strauss.Die Feldmarschallin hat keinen sexuellen Übergriff begangen, sie hat sich einfach einen wilden 17jährigen ins Bett geholt und erkennt nun im Spiegel, wer er und wer sie ist. Wehmütig fordert sie ihn so im himmlischen Schlussterzett dazu auf, sich seinem Alter und seiner jungen Liebe mit Sophie zu stellen. Wer das ideologisch inszeniert, ist ein Barbar und Ignorant. Wer der Schönheit und der Wehmut nicht den Platz lässt, verdient keinen Rappen Gage.
Da war dann eben die Münchner-Inszenierung von Otto Schenk, im silberhellen und luftigen Bühnenbild von Jürgen Rose. Nicht viel mehr als die Regieanweisungen von Hofmannsthal umgesetzt. Es brauchte nicht mehr. Und: Da dirigierte Carlos Kleiber, da sangen Gwyneth Jones, Lucia Popp und Brigitte Fassbaender. Und ich junger Spund war im siebten Himmel, mindestens. Unforgettable!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant