Zurückgekehrt aus zwei Wochen Ferien voller Action, Sonne und Luft, körperlichem Auftanken. Anscheinend ist die uns von den Medien aufgezwungene Diskussionswelt als katholische Kirche immer noch die selbe. Immer noch und neue Berichte über Gewalt und Missbrauch in katholischen Institutionen. Weihbischof Marian meint heute in der Sonntagspresse, dass uns die böse Welt und Gesellschaft wohl vernichten wollen. Na ja, so kann man(n) auch verdrängen. Wollen wir die Dinge mal wieder ordnen:
ad a) Gewalt (Schläge, körperliche und verbale Bedrohung) als Mittel der Erziehung bis weit in die 80er Jahre ist nichts spezifisch Katholisches. Das gab es allüberall. Speziell, emotional speziell, war es einfach, wenn sich Kirchenmänner, von denen man Geduld, Weisheit und Milde erwartete, darin hervortaten. Wie – vor einem Jahr hier breit berichtet – der Rektor der in St.Gallen hoch angesehenen und gerühmten «Flade». Von mir live erlebt und bezeugt. Aber Usus war das auch ausserhalb der Kirche und kirchlicher Institutionen. Summerhill galt als linksideologisch übles Experiment.
ad b) Sexuelle Übergriffe an katholischen Institutionen in weit überdurchschnittlichem Ausmass als in anderen gab es wohl auch nicht. Es wurde wohl überall einfach viel mehr als heute geschwiegen und verdrängt (aus Angst, Scham oder auch, weil man/frau das einfach nicht für möglich hielt). Gottseidank bin ich dieser Welt persönlich nie direkt begegnet.
ad c) Ich muss aber befürchten, dass es in einem gewissen Prozentsatz mehr (nicht pädophile, sondern ephebophile) Übergriffe durch zölibatäre Pädagogen als durch verheiratete gab. Grund dafür ist wohl das von Wunibald Müller seit Jahrzehnten dargelegte sexuell-emotionale Defizit, das Stehenbleiben auf niedrigem Level (bei ca. 15-17 Jahren), von Priesteramtskandidaten. Und wie ich hier schon darlegte, stellt sich betroffenen Kollegen dann eben eine ethisch klare Grundsatzfrage.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant