Ethische Bewohnbarkeit

Karl-Christoph Kuhn führt in der aktuellen SKZ (5/2010, S.113-116) seine Gedanken zur Einstufung des Zweiten Vaticanums im Vergleich mit früheren dogmatischen Konzilien fort und bringt seine These zum Abschluss. Weiterhin ist die Sprache, die er dabei verwendet, am Rande des leserlich Erträglichen. Schade, denn für die Conclusiones hätte es dies nicht gebraucht.
Kuhn verbleibt bei der zumindest mir einleuchtenden These, dass eine Kirche, die sich bewusst der Welt zuwendet und sich in den (interreligiösen wie natürlich auch interkulturellen) Dialog dieser Welt eingibt, nicht weiterhin ein statisch-glaubensrechtliches Verständnis von einem Konzil haben kann. Der von den Konservativen gerne benutzte Terminus, dass das Zweite Vaticanum ein «bloss» pastorales Konzil gewesen sei, wird so in seiner Stossrichtung um 180 Grad gekehrt. Mit Zitaten der Piusbruderschaft und ihres gegenwärtigen «grössten Fans» im Vatikan zeigt er auf, wie die Sehnsucht nach dem alten – in Kuhnscher Sprache «Christus-legislator»- Konzilscharakter noch immer besteht.
Es bleiben zwei Dinge.a) Dem alten Mann in Rom in seinen Samtschuhen und Seidenspitzen klarzumachen, dass wir im 21.Jahrhundert leben und eine Kirche, die sich nicht als Volk Gottes der Mündigen und Freien versteht, nur als gesellschaftlich irrelevante Sekte weiterexistieren kann.b) Umgekehrt die von Kuhn zitierte Forderung Alfons Auers, dass die Kirche (welt)ethisch bewohnbar sein muss, aufzugreifen und in allen Konsequenzen (zu denen natürlich das Frauenpriestertum gehört – das übrigens für die Umsetzung dieser Forderung wichtiger ist als die Abschaffung des Pflichtzölibats!) zu verfolgen.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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