Was in Savognin endete I

Nur schon dass ein gesellschaftlicher Anlass, ja gar eine ganze Woche Gesellschaftlichkeit, den Pastoralkurs beschliessen würde, war für Ingo ein unerfreulicher, ja geradezu bedrängender Gedanke. Dieses ganze Jahr war ja irgendwie unter einem schlechten Stern gestanden, wenn es ihm selber auch alle möglichen heiligen Weihen von Mutter Kirche eingebracht hätte. Aber Ingo hätte lieber alles so belassen wollen, so Geschirr- und Gedanken-zerscheppert wie es eben war. Dass nun aber irgendwie Harmonie, «sweet harmony», zelebriert werden sollte, das leuchtete ihm nicht ein, und er befürchtete auch, dass dieses «sweet» ganz schnell zu «sour» wechseln könnte. Und noch schlimmer an allem war (wieder einmal), dass er es gewesen war, der vor Monaten die obertolle Idee gehabt hatte, diese Woche Gesellschaftlichkeit in einer Ferienwohnung zu verbringen, also quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, unter zehn Augen und zehn Ohren. Damals war nicht abzusehen gewesen, wie sich die Grundstimmung in diesem kleinen Haufen Menschen verändern sollte. Und noch weniger abzusehen war, dass ein Abwesender diese Grundstimmung wesentlich prägen würde.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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