Ewige Missverständnisse

Immer und immer wieder dieses unnötige Gerangel um das christliche Gottesbild. Herbert Koch fordert um des interreligiösen Dialos willen die Abschaffung des nicänokonstantinopolitanischen Credos und ruft bei Thomas Staubli empörten Widerstand hervor. Ja: Thomas (nicht ein Konservativer!) spricht vom «Preisgeben des Ureigensten» und davon, dass so ein «unechter» Dialog entsteht. Herr Fleischer hier in den Dialogen wird nicht müde, die These zu widerholen, dass ein Teil der Theologen und Seelsorger vom korrekten Gottesverständnis abgewichen sei und auf dieser Basis eine neue Kirche schaffen wolle.
Mich nerven Aufgeregtheit und Sprache. Nochmals und meinerseits zum x-ten Male:a) Das Christentum ist eine soziale (Sprach)Gruppe, in der aufgrund der frühen Konzilien Klarheit über die Definitionen rings um die Wirklichkeit, die wir zusammen mit vielen anderen «Gott» nennen, besteht. Gruppenintern ist unsere Sprache logisch und verständlich, gruppenintern besteht Wahrheit. Änderungen der sprachlichen Definitionen wären möglich, bedürfen aber neuer Mehrheitsentscheidungen an Konzilien.b) Dasselbe gilt unter anderen organisatorischen Bedingungen nun für die anderen Religionsgemeinschaften. Auch ihre Definitionen sind gruppenintern wahr und korrekt.Soweit Wittgenstein praktisch ausgelegt. Und dazu gehört nun Hans Küngs Axiom im dritten Teil:c) Um des Weltfriedens und der Verminderung von religiös bedingten Regional- und Universalkonflikten (clash of civilsations) willen bedarf es der Grundlagenforschung in jeder dieser religiös-sozialen Gruppen. Was meinen wir mit diesen Definitionen, welches sind ihre logisch-philosophischen Prämissen, welches ihre sozial-kulturellen Bedingtheiten und Begrenzungen? Haben sie Anspruch auf ewige Wahrheit oder gibt es «Halbwertszeiten»?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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