Musste wohl sein

Nach längerem Überlegen und im Blick auf die Leserbriefe, die im «Tagblatt» in den letzten Wochen erschienen sind, wagte ich es seit langem wieder einmal und schrieb selber einen, im Wissen, dass Pfarrer dies nicht allzu häufig tun sollten (mein letzter, so glaube ich zumindest, ist Jahre her und bezog sich zur Abstimmung über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ebenfalls auf ein ethisches Grundsatzthema). Der Text sollte natürlich kurz, prägnant und etwas wortspielerisch sein. Hier ist er:
«Was die Kirchen müssenIn fast heiliger Erregung haben hier in den Wochen seit dem 29.November etliche Schreibende ihren Ärger über Stellungnahmen von uns Seelsorgenden zum Abstimmungsergebnis kundgetan. Dabei wurde uns vorgehalten, wir würden eine demokratische Entscheidung nicht akzeptieren. Genau das muss so sein: Christliche Kirchen und christliche Seelsorgende haben die ihrerseits heilige Pflicht, auf Unrecht hinzuweisen, dass durch Mehrheitsbeschlüsse entstehen kann. Sei es in der Frage der Abtreibung, wo eine Mehrheit des Volkes das Recht des ungeborenen Lebens radikal einschränkt. Sei es in der Frage der Religionsfreiheit, wo eine Mehrheit des Volkes die Rechte einer religiösen Minderheit einschränkt. Für uns wäre hier Stillschweigen Verrat, Verrat an unserer religiös-ethischen Grundbotschaft. Wer schweigt, stimmt dem Unrecht zu. Und Unrecht kann sich auch den Deckmantel der Demokratie geben!»
Was nun an Reaktionen folgt, werde ich hier berichten und kommentieren.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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