Zurück zum «Weltwoche»-Interview, das mich zugleich erheitert und befremdet. Wie kann man (alle drei Männer) so flachsig über derartig ernsthafte Fragen diskutieren? Oder haben die beiden Journalisten bewusst noch gekürzt und vereinfacht? Lassen wir mal das. Denn wichtiger scheint mir die Frage, ob denn das Christentum anders als Islam und Judentum eine grundsätzliche friedfertig-pazifistische Religion sei. Das würde dann ja im Sinne der Herren Gut/Keller so klare Wertungen ermöglichen. Ich mache eine Auslegeordnung:
a) Jesus von Nazareth, so wie ihn die Evangelien schildern, neigt zwar zu gewissen emotionalen Ausbrüchen, aber im Kern von Persönlichkeit und Lehre scheint er Pazifist zu sein.b) Jesus aus Nazareth, so wie die Evangelien seine Lehre weitergeben, stiftet an zu einem friedfertigen und versöhnlichen Leben.c) Die Religion, die aus und aufgrund seiner Lehre entstand, ist aber nicht immer friedfertig und versöhnlich geblieben. Sie hat die Kreuzzüge, die Inquisition und Ketzerprozesse und die gewaltsame «Christianisierung» anderer Kulturen zu verantworten.d) Zwischenhalt darum: Zwar kann man(n) von Jesus keine Gewalt «ableiten», aber das Christentum war ähnlich gewalttätig wie die beiden anderen monotheistischen Religionen.e) Wenn wir als Christen/innen etwa die Laudes beten, dann beten wir integral auch Psalmen mit, die zur Bestrafung der Frevler und Gottlosen aufrufen, dann sprechen auch wir eine immer wieder gewalttätige Sprache.f) Conclusio darum: Wir sind gut beraten, uns nicht besser hinzustellen als die Anderen!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/jean-zieglers-sicht-der-monotheistischen-religionen/