Leider blieb es nicht beim Traumurlaub. Zunächst wurde ich von Kollega Jakob Fuchs, einem wahren Innerrhödler mit seinem Hang zu den kleinen Boshaftigkeiten, ins «wahre Leben» als Feldprediger eingeführt. So begegnete ich erstmals Panzern, die durch den Staub von Bure dröhnten, und merkte schon bald, dass ich es schwer haben würde, in dieser sehr speziellen Männerwelt mit meinen Differenzierungen und Relativierungen akzeptiert zu werden, zumal mit dieser Mütze auf dem Kopf, die von der Zugehörigkeit zu denen «da oben» kündete.
Doch es wurde noch beträchtlich übler als im letzten Praktikum erahnt. Ich wurde dem Infanterieregiment 27, dem traditionellen Regiment der Stadt Zürich, zugeteilt, und landete in einem Regimentsstab mit Zürcher Wirtschafts- und Finanzleuten, eine edle Ansammlung, die durch einen Arzt und zwei Pfarrer etwas Farbflecken erhielt. So ein Stab war damals (ich hoffe, es ist jetzt anders!) eine ganz eigene Welt, die für den durchschnittlichen Soldaten eigentlich undenkbar, eben nicht denkbar, war. Aus den Beständen des Regiments wurde jeweils der beste Koch rekrutiert, der die Herren zu versorgen hatte, und am Ende des WK war mehr als der ganze Sold weg nur, um diese Völlereien (und Saufereien) zu bezahlen. Bürgerliche Politiker aus der näheren Umgebung wurden zum Dinner geladen und es wurde dabei über die Linken, Grünen und Netten geschimpft. Die beiden Pfarrer wurden beim Defilee durch die Zürcher Innenstadt auf einen Jeep mit Schweizer Fahne gesetzt, und ich hörte die Demonstranten in den Nebenstrassen pfeifen.
Ich schäme mich noch heute, wenn ich dies schreibe.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/swiss-army-live-teil-vii-unter-geiern/