Swiss army live – Teil V: Sensible Vorgesetzte

Ich will den Teil der Erinnerungen an meine erste Karriere nicht ohne die schönste aller Episoden beenden. «Von der Kampfbahn in die Realität der Arbeit» – so könnte man sie nennen. Es gab da nämlich noch etwas wahrlich Furchterregendes, das wohl aus den Zeiten, als sich noch die Grenadiere in Losone getummelt hatten, übrig geblieben war und das «Kampfbahn» hiess. Da sollte man über, unter und durch metallene, hölzerne und steinerne Hindernisse hindurch rennen, krabbeln und springen. Nun so etwas gehört vielleicht zur Ausbildung von irgendwelchen Amy-Kampfmaschinen, die sich freiwillig für den Einsatz in Afghanistan melden, «marines» heissen die, soviel ich weiss. Aber harmlose zwangsverpflichtete unsportliche Schweizer Jungs wie mich?
Es kam, wie es kommen musste. Ich kam bis zum dritten Hindernis und fiel kopfüber durch die Holzbalken hindurch. Herr Fritzsche, etwas bleich geworden, nahm mich nie wieder mit auf die Kampfbahn. In der Zeit durfte ich bei Herrn Doktor Pfister, Oberarzt und Kompagniekommandant, irgendwelche Dienstpläne zeichnen. Das machte Spass, es war kühl und ruhig, und ich wusste vor den anderen, was uns wieder erwartete. Doch dann läutete das Telefon und Herr Pfister erfuhr, dass er zwei Rekruten als Sanitäts-Gehilfen in die Gebirgsschule in Andermatt zu senden hatte. Da ich des Wanderns und Angebrüllt-Werdens müde war, blickte ich ihn flehentlich an. Und prompt, einen Tag später, war ich zusammen mit dem Zweitunsportlichsten der Kompanie droben im Gebirge. Und da kamen wir auf die Welt: Denn nun lagen wirklich Kranke und Verletzte vor uns. Der Ernst des Lebens hatte begonnen. Und das war sehr gut so. Ich verdanke diesem Vorgang viel für meine spätere Jugendarbeit.
Moral von der Geschicht: Die Army nützte doch etwas, einfach anders als gewollt.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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