Liegt's an der Exegese?

Back to the fundamentals, möchte ich nach zwei heissen Tagen im Ticino sagen. Wo liegt eigentlich der Kern für die de-facto-Spaltung in der katholischen Kirche, in der wir alle vom höchsten Chef bis zum Feld-, Wald- und Wiesenseelsorger Farbe bekennen müssen und in der manche (vor allem betroffen die bedauernswerten episkopoi) dies ganz ungern tun und darum lavieren lavieren … bis ihre Position wirklich völlig farblos ist?
Der zentrale Kern (darum der ständige Kampf ums Vaticanum II) ist wohl schon die Frage, ob das Christentum in seiner katholischen Variante die geistigen Schritte, die mit der Aufklärung begannen, mitgehen oder wie etwa das ultraorthodoxe Judentum oder der fundamentalistische Islam in einer Art religiösem Mittelalter-Reduit verbleiben will.
Ein wichtiges «Kampffeld» ist hier wie in den anderen Religionen die Frage der Auslegung der eigenen heiligen Schriften. Sind historische und literarwissenschaftliche Fragestellungen erlaubt oder sind sie a priori verboten? Die Frage ist für aufgeklärte Geister lächerlich, für verunsicherte aber nicht. Denn wenn etwa Jesus aus Nazareth leibliche Geschwister hatte, was heisst das? Wenn unklar bleibt, ob die Jünger nach dem Karfreitag in Jerusalem blieben oder nach Galiläa zurückgingen, was folgert daraus? Wenn die Erzählung vom Weinwunder zu Kana auf Dionysos-Vorläufern beruht? Etc. etc.
Ein Zitat aus den Kreisen der ganz Konservativen: «… daß die sogenannte Bibelkritik des 19. Jahrhunderts das Vertrauen der Menschen in die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments weitgehend zerstört hat.»

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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