Kehren wir zu Bully zurück. Er hatte so viele üble Seiten, dass mir noch heute übel wird, wenn ich daran denke. Er schlug so heftig zu, dass auch einmal ein Schüler im Gang zu Boden ging; er übte mit uns die lateinischen Grundformen des Verbs dergestalt ein, dass er uns an Ohren und Haaren in die Höhe zerrte, wenn die vier Worte nicht in gewohntem Rythmus und fehlerfrei über unsere Lippen kamen (ja er hätte mir die Freude an den alten Sprachen fast verdorben und damit mich der Kirche als Theologe und Priester abspenstig gemacht, aber da kam später gottseidank der orthodoxe Jude Simon Lauer und versöhnte mich mit dieser Welt…); er kam nach Klausuren sadistisch lächelnd mit einem Täfelchen mit einem lachenden und weinenden Kindergesicht über die Schwelle seines Büros ins Klassenzimmer geschritten und liess es kreisen und kreisen … In früheren Jahren war er noch etwas direkter: So musste bei ihm das Glaubensbekenntnis auf den Knien aufgesagt werden, und es gab Schläge auf den Kopf für jeden Fehler (Quelle dieser Information mir namentlich bekannt).Und dieser Mann hielt mit uns Schulmessen, hielt uns Predigten, belehrte uns moralisch und religiös. Ein Wunder, dass so viele nicht mit der Kirche brachen. Und ich frage nochmals: Haben denn die Autoritäten, haben denn unsere Eltern, nichts gewusst, nichts gehört? War das damals einfach courant normal?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant