Flade-Erinnerungen V

Da war dann Alois Hengartner, ein damals junger Lehrer der sprachlich-historischen Abteilung. Er war nun ein begnadeter, vielseitiger und äusserst menschenfreundlicher Pädagoge, mit Humor, Kunstsinn und hoher Gerechtigkeit. Er schleppte uns in moderne Kunstsammlungen, er setzte uns unter das berüchtige Kunstwerk von Tapiès im neuen Stadttheater, das der KK-Obermesmer im Gemeinderat so heftig bekämpfte (da ich mit dem Obermesmer in der barocken Sakristei meine pubertierenden Sträusse austrug, war ich sehr zufrieden), er sang mit uns Joe Dassins «Oh Champs-Elysees» (und brachte uns so ganz nebenbei ein hervorragendes Französisch bei), er brachte Oliven und Pinienkerne mit in den Geographie-Unterricht, als wir den Mittelmeerraum behandelten, ja er förderte demokratischen Umgangston und Diskussionsfreiheit mitten in der «Flade», wo solches als Grundsatz eher unbekannt war.Da hing ein Blatt an der Wand, an dem man eigene Meinungen kundtun, eigene Fragen stellen durfte. Da wurde diskutiert und fair informiert. Und als die Truppen des Warschauer Paktes die CSSR besetzten, gingen wir mit und dank ihm an die grosse Demo auf dem Marktplatz.Solche Pädagogen/innen sind wahrhaft selten. Alois war der erste, der in mir das Gefühl weckte, dass ich als Individuum geachtet und respektiert war.Ja, und das auch noch: Er brachte einer Bubenklasse in der Turnhalle das Walzertanzen bei!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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