Nebst den Lehrern, die unseren Seelen gut taten, und denen, die sie verdarben, gab es an der Flade wie an jeder Schule auch die wahrlich skurrilen, weil nicht bösartigen Typen, die – je nach psychischer Statur eines Schülers – ängstigten oder belustigten. Ein wahrlich seltener Fall war «Gong», ebenfalls ein Lehrer der naturwissenschaftlichen Richtung. Ihm begegneten wir nur in einem ganz elenden Fach, das damals «Technisches Zeichnen» hiess. Es galt, mit flüssiger Tusche gefüllte Zirkelköpfe elegant übers Zeichnungsblatt kreisen zu lassen, um gar seltsame geometrische Konstruktionen zu erstellen. Hier schreibt ein Theologe, der noch heute nicht weiss, wozu das gut war, aber die aus unserer Klasse, die an die ETH gingen, können mir das ja vielleicht gelegentlich erklären.Nun war Gong ein emsiger Pfeifenraucher, und diese Pfeifen hatten seinen Mund irgendwie deformiert, so dass wir seine Erklärungen und Anweisungen immer nur als seltsam brabbelndes Gemurmel zu verstehen bekamen. Die Schüler seiner Hauptklassen sollen ihn aber nach einiger Angewöhnung verstanden haben.Warum nun hiess Gong «Gong»? Seine seltsamste Angewohnheit war es nämlich, sich hinter Schüler zu schleichen, die irgendwelchen verbotenen Aktivitäten nachgingen oder nachgehen wollten, und alsogleich ihre Köpfe in einem saftigen Geräusch zusammen zu knallen. «Gong», so war es Ende der 60er.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant