Flade-Erinnerungen II

Die Flade, meine Buebe-Flade, hatte einen Hochwürdigen Herrn als Schulleiter, den «hochwürdigen», in schwarzer Soutane schreitenden, zu cholerischen Ausbrüchen neigenden, rotwangigen Rektor Josef Hälg. Wir nannten ihn entweder «Rex», Kurzform seines Titels und andeutend, dass er ähnlich wie ein Deutscher Schäferhund zu fürchten war, oder dann «Bully», seine Körperlichkeit und Schlagkraft anzeigend.Wenn Bully im Innenhof auf einem der Hölzbänklein stand und uns eine seiner Reden hielt, dann war das nicht viel anders als viele Jahre später auf dem Kasernenplatz in Losone, wenn Major Frasa und seine Inspektionsoffiziere uns Zwangsinternierte musterten.Da war ganz viel Angst im Spiel, ganz viel Androhung von möglicher Gewalt. So etwas konnte/kann man von einem Berufsoffizier erwarten, dass dieser Eindruck aber von einem schwarz gewandeten Kleriker ausging, war irgendwie ungehörig, ja übel. Nichts von Don Camillo, nichts von Don Bosco; sondern Don Terrore stand da vor uns.Da gab es etwa das Ritual der Haarkontrolle. Rex stand jeweils zu Beginn eines Quartals an der Eingangstüre, musterte unsere Frisuren und griff ein. Wenn da einige Haare über den Kragen hingen, griff er zu und hielt fest und mahnte: «Bürschchen, so kommst Du nicht in die Schule.»Bei dem Mann hatte unsere Klasse acht Lektionen Schule, sechs in Latein, zwei in Religion.

Heinz Angehrn

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