Die Flade, das war für mich die «Buebe-Flade», einquartiert in den würdigen Räumen des ehemaligen Klosters. Ein Innenhof mit spärlichen Pflanzen, geteert und für Sport und die grosse 10-Uhr-Pause geeignet. Riesige Gänge auf drei Stockwerken, die alten Kreuzgänge rings um diesen Platz herum. Die Schulzimmer, auf der Süd- und Westseite verteilt. Und um klarzumachen, wie heilig und erfurchtgebietend diese Schule war, sei noch erwähnt, dass im Norden die Kathedrale und im Osten das bischöfliche Ordinariat an den Hof grenzten und dass im Westen der erste Stock durch das Weltkulturerbe Stiftsbibliothek belegt war.Es war wirklich eine Ehre, diese Schule und ihre Räume betreten zu dürfen. Und als solche Ehre empfanden es offensichtlich auch unsere Eltern. «Fremder, der Du hier eintrittst, gedenke, dass hier andere Regeln als in der Welt gelten.» – Und so habe ich damals nie gehört oder gelesen, dass sich Eltern gegen die Missstände, die hier noch geschildert werden, gewehrt hätten.Der Ruf der Schule war klar: Katholische Elitesekundarschule, die es mit dem Untergymnasium der Kanti aufnehmen konnte, und die deutlich «besser» war als die städtischen Schulen. Ja, es war ehrenvoll, hier eintreten zu dürfen, hier fürs Leben lernen zu dürfen, hier den ersten Schliff für ein Leben als katholischer Akademiker zu erhalten.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant