«Zion», der Berg von Jerusalem, wurde in der Hebräischen Bibel (unserem «Alten Testament») zum Ziel einer «Völkerwallfahrt», dem Auftakt zum Weltfrieden. Und heute ist «Zionismus» ein Kampfbegriff, beginnend bei Theodor Herzels Postulat eines «Judenstaates».
Mit Blick auf den Gazakrieg schreibt der deutsche Journalist und Schriftsteller Arn Strohmeyer: «Israels brutales Vorgehen im Gazastreifen folgt genau den Kernaussagen der zionistischen Ideologie.» Ich stelle hier seine Thesen zur Diskussion. Sie mögen zum Verständnis des aktuellen Konflikts beitragen, obwohl sie schon vor mehr als einem Jahr geschrieben wurden. Vieles hat sich leider bestätigt.
Die «primitiven Anderen»
Die erste These: «Israel setzt in diesem neuen Krieg wie schon in vielen vorherigen die Ziele seiner Staatsideologie – des Zionismus – konsequent und blutig in die Tat um.» Dazu die deutsch-israelische (!) Historikerin Tamar Amar-Dahl, die als Kernelement der zionistischen Weltanschauung die tiefe Verachtung der Palästinenser nennt: «Sie sind die ›Anderen’ die es zu verdrängen oder zu vertreiben gilt. Sowohl physisch (…) als auch aus dem Bewusstsein. Die Palästinenser stellen die out-group» der zionistischen Utopie dar, da sie auf dem den Juden in der Thora (Alte Testament) verheissenen Land leben.»
Dazu Strohmeyer: «Der frühere israelische Spitzenpolitiker Shimon Peres betrachtete die Araber bzw. die Palästinenser aus einer eindeutig rassistischen Perspektive als «böswillig, unterlegen, nicht kompromisswillig; sie neigten dazu, die Wahrheit zu verdrehen und zu hetzen. Sie seien primitiv und um ihre Würde bemüht, aggressiv, ungebildet und sozial rückständig.»
Palästinenser: «die neuen Nazis»
Für Arn Strohmeyer ergibt sich aus der totalen Verachtung der Palästinenser die Schlussfolgerung: «Der Zionismus versteht den Konflikt mit den Palästinensern als gegeben und unveränderlich. Damit wird er letztlich entpolitisiert, das heisst, die Ursachen des Konflikts werden nicht in der eigenen Politik, den Kriegen, der Eroberung, Besatzung, Unterdrückung, Siedlungs- und Bevölkerungspolitik, sondern nur in der ›umfassenden Feindseligkeit’ und in der Mentalität der Anderen [der Palästinenser] bzw. der Araber gesehen. Mit anderen Worten: Israel bestreitet, mit den Ursachen des Konflikts irgendetwas zu tun zu haben. Für den Konflikt sind allein die Anderen verantwortlich.
Und auch: Die fremden Anderen werden als die «neuen Nazis» betrachtet. Arafat war demnach der «neue Hitler».
Sicherheit durch «Abschreckung»
Sicherheit ist für Israel die «absolute Grundvoraussetzung für die nationalstaatliche Existenz». So weit so gut. Aber für Sharon war die Voraussetzung dieser Sicherheit: «Die Araber müssen Angst vor uns haben.» Frage: Wie soll Angst die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben sein?
Dazu nochmals Strohmeyer zur Angst und Abschreckung: «Daraus ergibt sich auch das zionistische Verständnis von Frieden. Er ist nur möglich, wenn Israel die Kontrolle über die Palästinenser behält, weil sie einem wirklichen Frieden mit Israel in ihrer Rückständigkeit nicht gewachsen sind. Immer wieder betonen die Zionisten deshalb, dass es für sie keinen Gesprächspartner für Frieden gebe. Letzten Endes sei Frieden nur dann möglich und erreichbar, wenn man sich der Palästinenser entledige.»
Volltext: www.palaestina.ch/de/aufgefallen/818-getreu-der-zionistischen-weltanschauung-2
PS: Nehmen wir doch die Worte der israelischen Politiker endlich ernst!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant