Taufe – Zum Zweiten

Konstantinische Epoche: Das Volk hat die Religion, die der Herrscher ihm verordnet hat. Das gilt für alle, die in diesem Gebiet wohnen. Wer nicht mitmachen will, muss auswandern (vgl. England-USA/Pilgerväter oder Frankreich-Schweiz/Hugenotten) oder er/sie muss Verfolgung wenn nicht gar Exekution (vgl. Schweiz/Täufer) gewärtigen.
Wenn unter diesen Bedingungen ein Kind geboren wird, geht es gar nicht um das Ob oder Warum, sondern nur um den Zeitpunkt, wann es getauft wird. Auch alles Folgende, ist logisch: Katechese, Sakramentenempfang, religiöse Mündigkeit.
Conclusio: Diese Form von Taufe zu tadeln, ist historisch nicht korrekt. Dass es die kleinen Täufergemeinden gab, die trotz Verfolgung am Gedanken festhielten, dass der Entscheid zur Taufe selbstbestimmt sein muss, ist beachtenswert. Man beachte unsere SKZ-Ausgabe (14/2025) zum Thema.

Nachkonstantinische Epoche: Religion ist jetzt Privatsache. In einer Welt der absoluten Beliebigkeit, wenn nicht gar Zufälligkeit, sind auch die jüdisch-christlichen Fundamente, auf denen die Gesellschaften des Westens während über 1500 Jahren Stabilität fanden, unsicher, ja teilweise schon unbekannt. Das gilt insbesondere für die Ethik, selbst der Wert des werdenden Lebens ist nicht mehr unbestritten (man vgl. etwa die Causa Brosius-Gersdorf in Deutschland). Aber auch für gewordenes junges Menschenleben wird gefordert, dass es quasi absolute Selbstbestimmung geben soll.
Conclusio: In solchen Zeiten flächendeckend Kleinkinder zu taufen, nur weil irgendwo noch Reste der alten Epoche in den Gehirnen von Grosseltern oder im schlechten Gewissen von Eltern nachleben, ist Unfug. Der Entscheid für den christlichen Glauben und die christlichen Werte als eine von unzähligen Optionen, wie ein Leben gestaltet werden kann, ist ein Entscheid, der zur religiösen und staatlichen Mündigkeit gehört. Ich würde so weit gehen zu fordern, dass das auch für die Kinder von gläubigen Eltern gelten soll. Sie erleben ein Vorbild, aber es ist ungewiss, ob das auch zu ihrem Lebensentscheid wird.

Natürlich gibt es Verlustängste, natürlich Abschiedsschmerz, aber es scheint unausweichlich, diesen Weg zu gehen. Übergang gestalten, nicht Untergang verwalten!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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