Die Grösse unserer Kirche ist auch schon die Ursache ihrer Schwächen und Mängel. Und ihre Schwächen zeigen trotzdem ihre Grösse auf. Eine universale Kirche, auf allen Kontinenten zuhause, mit einer gemeinsamen Liturgie durch das Kirchenjahr hindurch, so dass ich, wenn ich im kanadischen Hinterland den Gottesdienst besuche, sofort zuhause bin, und dies kombiniert mit der Möglichkeit, in ethischen Fragen analog der UNO global aufzutreten, das ist wirklich «gross»!
Wie verhindern, dass die Schwächen überhand nehmen? Drei Angehrn’sche Ratschläge (nicht unfehlbar!) in heikler Zeit:
a) Die grösste Schwäche eines solchen Gebildes ist sein Hang zum Zentralismus. Darum, jeden Tag, jede Stunde, neu gepredigt und in Hirne und Herzen gehämmert: Subsidiarität, Subsidiarität …
b) Eine Schwäche, die nicht sein müsste, ist das Erscheinungsbild als Gerontokratie. Manchmal kommt mir die katholische Kirche wie die ehemaligen Zentralbüros der Kommunisten vor: An den Hebeln der Macht viele alte Männer. Warum nicht die Regel einführen: Mit 70 tritt jeder, ob Pfarrer oder Papst, ab?
c) Mit fundamentalistischen Lösungen war/ist das Volk immer besser anzusprechen. Es ist ihm zuwider, zuviel (um)denken zu müssen. Ein solch grosse Institution hat höchste Verantwortung darum für: Wissenschaftlichkeit in den Grundlagen und Seriosität im Argumentieren. Wer sich da zur Sekte machen möchte, hat verkannt, welches unsere Verantwortung ist.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant