Kultur zum Zweiten: Loys «Pique Dame»

Am nächsten Samstag hat Tschaikowskys Oper «Pique Dame» in St.Gallen Premiere. Erinnerungen steigen zunächst auf an die kurze und bis heute aus unerfindlichen Gründen gescheiterte Aera Keckeis, in der das Werk bei uns letztmals (auch in der Originalsprache) gegeben wurde. Erinnerungen dann an Christof Loys «Rosenkavalier», mit dem er uns vor einigen Jahren viel Freude gemacht hat.
Wiederum ist es eine Koproduktion, die zu uns kommt: Kam der «Rosenkavalier» damals aus Brüssel, kommt «Pique Dame» aus Bremen und ist in der Fachpresse schon hochgelobt. Das allerdings heisst noch gar nichts, ein schönerer Teil dieser gelobten Inszenierungen sind für Otto Opern-Normalverbraucher nämlich ungeniessbar. Aber es gibt auch Ausnahmen, und da lässt der Name Loy hoffen.
Allerdings blicken wir dem Wagnis mit gemischten Gefühlen entgegen. Ein solches ist «Pique Dame» schon: Eine eher sperrige Handlung in einer schon fast ungewohnt dramatischen Melodik, weit von vielen Werken des Meisters entfernt. Spielsucht, unglückliche Liebe, Aberglaube und eine der seltsamsten Rollen der Oper (nebst Madame Makropulos selbstverständlich), die der Gräfin in einer Mischung aus Hexe und Opfer des Patriarchats, das ist für den Regisseur eine Herausforderung. Und die Rollen sind es gesanglich auch: Hoffen wir, dass in St.Gallen recht gesungen wird. Insbesondere der Gast Paer Lindskog als heldischer Tenor Herman, Eva Gilhofers Gräfin und die weibliche Hauptrolle der Lisa (bitte nicht von Frau Fout gesungen) wecken auch Befürchtungen. Let’s see and hear (sorry, kann nicht Russisch)!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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