Was bringt uns das Neue Jahr?

Freuen Sie sich auf das, was das Neue Jahr für Sie an Erfreulichem bringen wird? Oder haben Sie Angst vor Bedrohlichem: Kriegen, Klimakatastrophen, Krankheiten?
Bei den meisten überwiegen wohl die Ängste. Dies zeigen auch Umfragen. Von Jahr zu Jahr nimmt eine depressive Stimmung zu. Dies ist nicht zufällig. Denn nicht weit von uns entfernt tobt ein äusserst grausamer Krieg. Und immer öfter spricht man nicht mehr vom kommendem «Klimawandel», sondern von der «Klimakatastrophe», die schon begonnen hat.
Nicht nur das Dunkle sehen
Dennoch: Es gibt nicht nur Schreckliches, sondern viel Erfreuliches, Gelungenes. Aber es fällt uns schwer, es zu sehen. Dies ist offenbar eine durchaus menschliche Grundhaltung wie ein Experiment zeigt:
Ein Psychologieprofessor teilt seinen Studierenden ein Blatt aus, auf dem ein schwarzer Punkt zu sehen ist. Er bittet sie, genau zu beschreiben, was sie sehen. Tatsächlich: Alle haben über den schwarzen Punkt geschrieben, seine Grösse, seine Position. Und niemand schrieb über den sehr grossen Rest, das Weisse des Papiers. Dieses war doch einige Tausend mal grösser als der dunkle Punkt.
Dies ist kein Zufall: Wir konzentrieren uns auf das Negative. Es ist meistens auch interessanter, aufregender. Aber eine solch pessimistische Sicht lähmt. Sie hält uns davon ab zu handeln, Wege aus den Katastrophen zu finden und zu gehen.
Drei Frösche
Wie Angst und Pessimismus (oder auch unbedachter Optimismus) lähmen, zeigt anschaulich die folgende Kurzgeschichte: Drei Frösche gehen auf Wanderschaft. Sie fallen in einen Topf voller Sahne, schweizerdeutsch Nidle genannt. Der erste Frosch schaut hoch hinauf zum Rand des Kruges und denkt: Ich habe keine Chance. Er geht unter und ertrinkt.
Der zweite denkt optimistisch: «Es wird schon gut ausgehen. Uns rettet bestimmt jemand. Wir sind bisher noch immer aus jedem Schlamassel herausgekommen.» Er wartet und wartet, geht unter und ertrinkt ebenso. Doch der dritte Frosch denkt: «Um hier rauszukommen, muss ich ordentlich strampeln.» Er tut es mit seinen kleinen Beinchen, bis die Nidle zu Butter, zu  Anken geworden ist. Und so kann er sich mit einem Satz aus dem Topf befreien.
Sie können sich selber überlegen, welcher Frosch sie wären:
Der erste, der sich passiv und ängstlich in sein Schicksal fügt?
Oder der zweite, der auf Hilfe von aussen vertraut und selber nichts tut?
Oder der dritte Frosch, der optimistisch, zuversichtlich strampelt und überlebt?
Haben wir Vertrauen?
Welcher Forsch, oder eben, welcher Mensch wir sind, hängt stark von unserer Weltsicht ab: Sehen wir nur das Dunkle, die Krisen und Katastrophen? Oder haben wir auch ein Auge für das Helle, Erfreuliche? Vertrauen wir darauf, dass wir nicht machtlos sind und etwas tun können für eine bessere Welt, in Nah und Fern.
Kurz bevor ich diesen Artikel verfasse, stosse ich im Internet in einer Sammlung von Aphorismen auf den dort neu eingegebenen Spruch: «Wer glaubt, dass es keinen Ausweg gibt, wird auch keinen finden.» (Hartmut Weinhold in: www.aphorismen.de)
Gemeinsam hoffen
Psychologen haben den recht sperrigen Begriff «Negativitätsverzerrung» geschaffen. Sie meinen damit die Gewohnheit, sich auf das Negative zu stürzen. Und wir alle wissen ja, wie wohltuend es ist, «lästern» und jammern zu können. Aber vergessen wir nicht: Solange wir uns auf das Böse konzentrieren, werden wir davon abgehalten, das Gute zu suchen darauf hin zu arbeiten, auch wenn unsere Kräfte beschränkt sind.
Wie das Beispiel der Frösche zeigt, gibt es überraschende Möglichkeiten, das drohende Unheil zu überwinden. Dabei scheint es mir wichtig, nicht nur gemeinschaftlich zu jammern, sondern auch miteinander über Auswege sprechen. So hoffen wir wir gemeinsam und bestärken uns in unserer Hoffnung. So wird das Neue Jahr erfreulicher!
Dieser Artikel erschien in: Antonius von Padua. Seraphisches Liebeswerk Solothurn. Januar 25.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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