Muffel

Ich gestehe es: Ich bin ein grosser Fasnachtsmuffel. Ich kann mit diesem Anlass aus mehreren Gründen rein gar nichts anfangen:
– Ich bin stolzer Stadt-St.Galler und hier aufgewachsen. Da gab es keine Fasnacht (ausser für uns Kinder, wir verkleideten uns als Cowboys, schossen mit lärmigen Pistolen und überfielen die Buben vom Nachbarquartier, das war mehr Krieg als Fun!), bis Auswärtige sie ab Mitte der 70er Jahre importierten.– Ich verstehe nur den kulinarischen Sinn: Noch einmal richtig tafeln, bevor düstere Fastentage über uns hereinbrechen. Beim Tafeln und Trinken bin ich auch immer dabei, aber unverkleidet an edlen nicht lärmigen Orten.– Ich habe gewisse Sympathie für die Basler Fasnacht: Das heilige gleichbleibende Ritual des Morgestraich, die Schnitzelbänke auf hohem Kabarett-Niveau.– Ich verstehe ansonsten den Sinn nicht: Da haben wir doch das ästhetisch schöne Verkleiden im Rahmen von Oper, Ballett und Schauspiel, da haben wir das ebenso edle politische Kabarett. Basta, finde ich. Warum braucht es denn wüsten Lärm, mittlere Dauerbetrunkenheit, Verschwendung von Lebensmitteln, alles in allem ein 6 tägiger Stadl auf der Gass?- Ein Fasnachtsgottesdienst (darum schreibe ich das hier, weil wir von einem solchen sprachen) scheint mir eine recht perverse Veranstaltung zu sein.
Ich weiss, dass ich für diese Worte von Einigen geistig hingerichtet werde, aber das nehme ich als wohl not-wendend in Kauf. Ich werde es humorlos überleben!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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