Politische Ortungen

Habe soeben wieder das Jahresabo für die «Neuen Wege» bezahlt und mir dabei überlegt, warum ich das noch tue. Denn der Weg, seit wir in Luzern in einer Studenten-Arbeitsgruppe über die spannende Mischung «Christentum und Sozialismus» diskutierten, bis heute ist ein langer. Zuerst war da gleich zu Ende des Studiums der Opernhauskrawall in Zürich, bei dem es mir um die heilige Kunst ging, und ich mit Entsetzen bemerkte, dass meine lieben Kollegen aus ideologischen Gründen die pöbelnde Meute unterstützten. Später distanzierte ich mich auch von den linken Parteien, die mir vorkamen, als hätten sie nicht bemerkt, dass gesellschaftliche Weiterentwicklungen (etwa im service public, in der Asylpolitik und in der Liberalisierung der Arbeitswelt) nach neuen und ganz anderen Lösungen rufen, und die so nun tragischerweise zu den neuen Konservativen wurden (leider hat dieses Virus auch rechte Teile der Grünen erfasst). Dann entdeckte ich, dass liberales Denken adäquater zu meiner Person und meinem Weltbild passt, und ich zu lange (vor allem aus familiengeschichtlichen Gründen) am politisch falschen Ort verblieb.
Warum ich die «Neuen Wege» doch wieder abonniert habe, obwohl ich im parallelen Falle eines Erkennens vor einigen Jahren die «Weltwoche» im Zorn abbestellte? Weil die Macher hinter den «Neuen Wegen» Köpfchen haben, manchmal zwar sehr eigen funktionierende. Weil sie anders als Herr Köppel Idealisten und nicht Opportunisten (geschmiert vom Herrn T.T.) sind. Lesen tue ich sie weiter, doch meine Zweifel an der ideologischen Ausrichtung sind gross.

Heinz Angehrn

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