And Brutus is an honourable man

Mann/frau erlaube mir, dass ich meine Argumentation trotz allem Tadel fortsetze. Doch nun ist nicht mehr von 1971 die Rede, in der dieser Gedanke in einem Gymnasiasten-Hirn entstand, sondern von 2024, dem Jahr der Abstimmung über eine 13.AHV-Rente und der zweiten Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. In diesen über 50 Jahren ist das Konzept von Demokratie deutlich fragwürdiger geworden. Wer anderen Argumenten lauschen will, lese etwa das Essay «Alle gegen alle» der jüdischen Philosophin Isolde Charim im NZZ-Folio Nr.370 vom November (S.56-59).

Mein Titel bezieht sich natürlich auf die Rede des Mark Anton im 3.Aufzug der Tragödie «Julius Caesar» von William Shakespeare, wohl 1599 uraufgeführt. Ein englischer Autor des 16./17.Jahrhunderts, gut vertraut mit den Machtverhältnissen seines Landes, in dem dem seit der Magna Charta von 1215 dem nicht mehr absolutistisch allein regierenden König eine Art Parlament des Adels, das «House of Lords», gegenüberstand, erzählt vom römischen Senat und den Umständen, die zur Ermordung von Julius Caesar führten, und von den darauf folgenden Machtkämpfen, in denen der Senat sukzessive entmachtet und die Cäsaren absolutistische Herrscher wurden. Süffisant erzählt Shakespare, demagogisch lässt er Mark Anton seine Rede halten, die den Tyrannenmord delegitimiert und das Volk in Rage bringt. Und Mark Anton steigt auf, beseitigt die Verschwörer und kommt an die Macht (bevor ihn eine Frau – Kleopatra – ebenfalls stürzen lässt…).

Das britische Oberhaus ist natürlich dem römischen Senat nachempfunden. Störend für meine Argumentation ist, dass das keine Oligarchie der Intelligenzia, sondern eine des Geldadels war. Blicken wir deshalb auf den US-Senat und damit direkt auf unseren Ständerat, aber auch hier werde ich nicht glücklich, sie sind einfach ein die Regionen repräsentierendes Gegenstück zur grossen Kammer. Da ist eher noch mehr Eigennutz und Interessenbindung vorhanden als in der grossen Kammer.

Nein: Mir schwebt vor, den Ständerat als Parlamentskammer mit 46 Sitzen in seinem schönen Saal zu belassen. Zusammengesetzt aber nicht mehr nach Regionen und Parteien, sondern mit Akademikern mit summa cum laude-Abschlüssen in ihren Disziplinen, aufgeteilt auf Phil I- und Phil II-Disziplinen. Gewählt sicher nicht vom Volk, sondern von ihren Standeskammern, und dies auf eine Dauer, die politischen Überblick möglich macht. Ein Strafregister-Auszug, wie schon erwähnt, führt zum sofortigen Verlust des Mandats. Die Kompetenz und Aufgabe dieses Rates ist es, die Beschlüsse von Bundesrat und Nationalrat auf ihre Stringenz, ihre Einhaltung der Prinzipien von Gemeinwohl und Gerechtigkeit und ihrer Nachhaltigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls abzulehnen.

Honorouble men sind selten in der Politik, Intrigen und Egoismus dagegen nicht. Da braucht es dieses oligarchische Element in der Verfassung, sonst enden wir irgendwann wieder in der Barbarei der Diktatur.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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