Was steht im Schlussdokument der Synode?

Ich versuche, das Abschlussdokument der Weltsynode kurz vorzustellen. Selbstverständlich kann ich es nur sehr lückenhaft tun, da ich die 60 Seiten mit den 155 Abschnitten in ein paar Minuten nicht umfassend darstellen kann. Ich beschränke mich auf vier Vorschläge.
Zuerst eine kritische Bemerkung: Die Synode wurde in letzter Zeit immer als «Weltsynode» bezeichnet, da ein Achtel der Teilnehmenden nicht Bischöfe waren, darunter 54 Frauen. Nun aber steht über dem Schlussdokument der Begriff «Bischofssynode». Seltsam!
Erstens: Ein Hebel, um Reformen in absehbarer Zeit durchzuführen und nicht warten zu müssen, bis überall auf der Erde darüber Einigkeit besteht, ist die Dezentralisierung. Sie wird als heilsam gerühmt. Es soll nicht mehr alles in Rom entschieden werden. Und nicht für alle gleich. Die Eucharistie, so heisst es beispielsweise, brauche keine Uniform.
Gründe für die Dezentralisierung werden öfters genannt. Die Ortskirchen haben ihre Besonderheiten. Und die Weltkirche ist keine abstrakte Sache, sondern besteht aus Ortskirchen in einer Vielfalt von Völkern und Sprachen. Eine sehr wichtige Aussage: Die Ortskirchen dürfen sich in einem unterschiedlichen Tempo bewegen. Darum müssen wir nicht warten, bis Postulate in jeder Ecke der Welt akzeptiert werden, zum Beispiel verheiratete Priester. Schliesslich heisst es im Zusammenhang mit der Dezentralisierung, die Angst vor der Vielfalt sei zu überwinden.
Ein zweites, ebenso grundsätzliches Postulat: die gemeinschaftliche Entscheidungsfindung in Form von Synodalität. Diese wird sogar als die Art und Weise genannte, wie Kirche lebt. Weder Papst noch Bischöfe noch Pfarrer dürfen in wichtigen Fragen einsame Entscheide fällen. Das Volk Gottes muss einbezogen werden. Konkret wird etwa der Einbezug des Volkes Gottes in die Wahl der Bischöfe genannt. (Übrigens: Ein rechtsextremes Internet-Portal sieht hier mit Blick auf die Wahl des St. Galler Bischofs der Grund, warum im Bistum die notwendige Umkehr ausbleiben werde …) Schliesslich: Durch Synodalität könne in der Kirche ein «Kulturwendel» hergestellt werden.
Ein dritter, mit hoher Spannung erwarteter Bereich ist die Rolle der Frauen im kirchlichen Leben, vor allem auch die Möglichkeit des weiblichen Diakonates.
Es lohnt sich, die betreffende Stelle im Wortlaut anzusehen:  «Es gibt keine Gründe, die Frauen daran hindern sollten, Führungsrollen in der Kirche zu übernehmen. Was vom Heiligen Geist kommt, kann nicht aufgehalten werden. Darüber hinaus bleibt die Frage des Zugangs von Frauen zum diakonischen Amt offen.»
Bekanntlich hatte der Papst gesagt, die Zeit dafür sei nicht (oder noch nicht?) reif. Es gab in der Synode dagegen Widerstand, auch, aber nicht nur von Frauen. Dann kam es trotz allem zur erforderlichen Zweidrittelsmehrheit.
Vieles muss hier unerwähnt bleiben. Zum Beispiel sprach sich die Synode wie die lateinamerikanische Befreiungstheologie für die «vorrangige Option für die Armen» aus. Immer wieder tauchen im Abschlussdokument gesellschaftliche Fragen auf wie die Massenarmut, Klimakatastrophe und Migration. Schliesslich wird vor der Illusion gewarnt, «ein gerechter Friede lasse sich durch Gewalt erreichen».
Predigt in der Krankenkapelle des Kapuzinerklosters Schwyz. Sonntag, 3. November 24.
Nachtrag für den Blog
Seien wir ehrlich: Beim Kampf um das weibliche Diakonat geht es letztlich nicht nur um dieses, sondern prinzipiell um die Weihefähigkeit von Frauen. Im Blick ist dabei die mögliche Priesterinnenweihe. Diese wird nicht der Schlusspunkt sein, wie die Geschichte der Ämter in der lutheranischen Kirche zeigt. Nach der Ordination von Frauen ging es gar nicht lange, bis es Bischöfinnen gab. Könnte es in der katholischen Kirche nicht sogar noch weitergehen? So meinte kürzlich ein («prophetisch» Begabter) in einer Rede auf dem Petersplatz, vor ihm würde vielleicht ein Mädchen stehen, das Päpstin würde ….
Ich möchte noch hinweisen auf meinen Gastkommentar bei kath.ch, den ich kurz nach Abschluss der Synode schrieb. Ich versuchte, eine erste Bilanz zu ziehen:

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/was-steht-im-schlussdokument-der-synode/