«Tristan» in Zürich

Das Opernhaus befindet sich in der finalen Phase, die «Oper aller Opern» neu aufzuführen. (Ein PS: Es soll Leute geben, die «Don Giovanni» dieses Prädikat zuordnen. Da kann ich nur laut lachend widersprechen: Das ist etwa so, wie den FC Basel und Manchester United zu vergleichen …). In einer Theater- und Opernwelt, in der es auch passieren kann, dass die ganze Freude an der Aufführung durch eine eklig-verfremdende Inszenierung Marke Kusej abgetötet wird, gilt mein erstes Augenmerk (das «Ohrenmerk» wäre dann Herrn Ian Storey gewidmet …) der Regie von Claus Guth. Was macht er mit diesem «ewigen» Stoff, der für sich selber steht, und mit dieser «göttlichen» Musik, die nur durch hässliche Bilder angekratzt werden kann?Nun denn, das aktuelle Magazin der Oper Zürich lässt Gutes ahnen. Es gibt meines Erachtens für eine perfekte Inszenierung drei Ansätze: a) die Handlung in der Zeit und im Ambiente zu belassen, in die sie auch gehört (man denke etwa an Ponnelles «Carmen» in Wien oder an viele Zürcher Asagaroff-Santi-Inszenierungen), b) die Oper quasi zeit- und ortlos zu spielen und auf ihr Substrat zu beschränken (so Robert Wilsons Ring in Zürich), c) in die Zeit der Entstehung der Oper und damit der Motivation des Komponisten zum Werk zu wechseln. Claus Guth lässt den «Tristan» im Hause Wesendonck spielen, sieht das Dreieck-Verhältnis Tristan-Isolde-Marke synonym zu Wagner-Mathilde-Otto. Ich applaudiere: Gut so! Ich sehe nur ein Problem für die Inszenierung: Welche Bedeutung werden Todes- und Liebestrank haben?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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