Der wahre Gott

Am ersten Abend der neuen Lesereihe «Bibel und Literatur» besuchten im Figurentheater St.Gallen etwa 30 Interessierte aus verschiedensten Lebenswelten und auch geographischen Richtungen des Dekanats St.Gallen den ersten Abend zum Thema «Der wahre Gott». Matthias Flückiger eröffnete nach meiner Einleitung mit dem religiös-schwelgerischen frei reimenden Gedicht Klopstocks «Die Frühlingsfeier», entstanden 1759. «Jehova», der Schöpfergott wird gepriesen, der in Würmlein und Donner aufscheint, und ein mächtiges Halleluja wird mehrfach ausgerufen. Dieser emotionalen Bombe folgten aus dem Katechismus von 1993 die trocken dozierenden Abschnitte über Gott und die mangelhafte Gotteserkenntnis des Menschen. Kein Würmlein mehr, kein Donner, sondern reine Lehre. Dann das «Schema Israel» aus Deuteronomium und Lessings Ringparabel aus dem «Nathan»: Wer hat den richtigen Gott, den richtigen Ring, oder sind alles Fälschungen? Was wird der endzeitliche Richter uns Religionsvertretern/innen einst sagen? Wuchtig und Lessing konternd dann die Stimme des Verfassers des Johannesevangelium: ER war in der Welt, doch die Menschheit erkannte ihn nicht. Und zum Schluss der Bericht, wie das Annemareili in Gotthelfs 1844 erschienenem moralischen Roman «Geld und Geist» zu spät zum Sonntagsgottesdienst kommt und des Pfarrers Predigt zum Anlass nimnmt, die Verfasstheit des eigenen Haushalts zu bedenken, ein Haushalt mit oder ohne oder neben Gott?Viele Gespräche beim anschliessendem Apéro, ein hoffnungsvoller Anfang. Nächster Abend: 15.Dezember, 18.15 Uhr, dann zum bösen Thema «Gewalt in seinem Namen?!»

Heinz Angehrn

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