Warum gehört man(n) genau dieser und nicht einer anderen Religionsgemeinschaft an? Wäre man(n) als Moslem auch überzeugt vom eigenen Glauben und seinen Grundvorstellungen? Unnütze Fragen, da es ist, wie es ist. Und trotzdem, die Gedanken verfolgen mich und vielleicht auch einige andere.
Eine Antwort, die eines pensionierten lieben Berufskollegen: Wenn ich in einer anderen Kultur als Kind religiöser Eltern aufgewachsen und erzogen worden wäre, wäre ich heute überzeugtes Mitglied einer anderen Glaubensgemeinschaft, und es wäre für mich gut so.
Vermutete Antwort eines Evangelikalen oder Katholikalen: Ich hätte, ganz gleich, wo ich herkomme und welches meine Wurzeln sind, immer zum allein seligmachenden Glauben gefunden und die Häresien in den anderen Religionen entdeckt.
Ich kann mit beiden Antworten nicht sehr viel anfangen. Ich glaube, dass ebenso wie familiäre und kulturelle Herkunft die eigene Persönlichkeit und das eigene religiöse Empfinden entscheidend dafür, wo man sich schliesslich zuhause und wohl fühlt. So glaube ich nicht, dass ich in der zwinglianisch-evangelischen Kirche je heimisch oder gar Pfarrer geworden wäre. Diese Predigt- und Wortlastigkeit befremdet mich. Als katholischer Priester hingegen fühle ich mich wohl. Ich sage immer den Erstkommunikanten: Was der/die Prediger/in hier erzählt, kann wahr sein oder nicht, das Wesentliche geschieht nicht in der Predigt, sondern am Altar. Anscheinend entspricht hier ein Teil katholischen Selbstbewusstseins meiner Persönlichkeit.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant