Heilige Birgitta von Schweden

Meine erste Wallfahrt führte ich nach Vadstena am Vätternsee. DER Wallfahrtsort in Schweden! In Vadstena befinden sich der Schrein der heiligen Birgitta. Ich darf zu Gast sein im Gästehaus der Birgittinnen. Ihr Kloster ist neu und ganz in der Nähe der Wallfahrtskirche. In den eigentlichen Klosterräumen ist heute ein Restaurant, ein Hotel und ein Museum untergebracht. Die Klosterkirche gehört der Schwedischen Kirche. Ich wusste zwar, dass die Heilige Birgitta die Nationalheilige Schwedens ist und dass sie zur Schutzpatronin Europas erhoben wurde, aber das war auch grad schon alles. «Kein Problem» sagte mir Sr. Maria-Monika und drückte mir ein Buch über die Hl. Birigitta in die Hand, «da steht alles drin, was sie wissen müssen». Gut dachte ich mir und setze mich in den Klostergarten. Ich hatte die 160 Seiten im Nu gelesen und fand das Leben der heiligen Birgitta irgendwie interessant und sehr facettenreich. Sie war Mutter von acht Kindern, verheiratet, arbeitete als Hofdame beim König, rügte Päpste und Könige, mischte sich in die politischen Diskussionen ein, gründete in Rom ein Hospiz für Prostituierte und Arme, lebte nach dem Tod ihres Mannes ein «klösterliches» Leben ohne selber je in ein Kloster eingetreten zu sein und gründete den Orden des Heiligen Erlösers (Birgittinnen). Sie selber unternahm (teilweise mit ihrem Mann) zahlreiche Wallfahrten: nach Trondheim zum Heiligen Olaf, nach Santiago oder nach Jerusalem. In Vadstena wurde auch nach ihren Plänen das Kloster für die Birgittenmönche und Birgittenschwestern (ein Doppelkloster) erbaut. Ihre Gebeine wurden schliesslich von Rom nach Vadstena überführt. Ob sie sich das je erträumt hatte? Wir wissen es nicht.
Vadstena ist wunderschön am See gelegen und so fühlte ich mich trotz meiner Recherchen, die ich anzustellen hatte, immer ein bisschen in den Ferien. Ich wanderte ein Stück auf dem Pilgerweg und besuchte die Klosterruinen von Alvastra. Ein Zisterzienserkloster südlich von Vadstena. Dort lebet Birgittas Mann am Ende seines Lebens als er sehr krank geworden war. Sie selber lebte dort lange Zeit im Gästehaus, um an seiner Seite zu sein. Die Ruinen sind bestens erhalten und geben einen wunderbaren Überblick über die Klosteranlage eines mittelalterlichen Klosters.
Die Birgittinnen in Vadstena sind eine sehr herzliche Gemeinschaft. Ihr Gästehaus ist immer gut besucht. Dabei sind es längst nicht alles Pilger, die bei ihnen absteigen. An unserem 6er Tisch im Speisesaal war ich die einzige Katholikin und die einzige Person, die aus einer religiösen Motivation nach Vadstena gekommen ist. Alle anderen (5 Frauen) wollten einfach ein paar freie Tage geniessen. Die Birgittinnen rühmen sich ein Kloster zu sein mit einem eigenen Stundengebet.Ich war sehr gespannt darauf und dann ein bisschen enttäuscht. Für mich tönt es wie eine Mischung aus Taizé und Gregorianik. Leider sind die Bücher derart unübersichtlich, dass ein Mitbeten in Worten unmöglich ist. So habe ich dem Gebet der Schwestern ab dem zweiten Tag ganz einfach «gelauscht», was auch sehr erhebend sein kann. Ich war im übrigen ganz froh, dass alle Schwestern deutsch verstehen, so konnte ich mich von der Anstrengung schwedisch zu sprechen ein wenig entlasten.UFF!! Nach einem Gespräch mit Sr. Maria-Monika hatte ich den ersten Praktikumsplatz für meine Studenten aus dem deutschsprachigen Raum auf sicher. Die Schwestern sind gerne bereit, jemanden aufzunehmen und ihm Rede und Antwort zu stehen über die katholische Kirche in Schweden, die Heilige Birgitta oder was die jungen Studierenden noch so alles interessiert. Eine tolle Geste! Jetzt schon ein herzliches Dankeschön.
Auch mein Besuch im Pilgerzentrum war «erfolgreich». Der (lutherische) Pilgerpfarrer hat mir über seine Arbeit berichtet. Die Schwedische Kirche unterhält ein Pilgerzentrum, wo es Übernachtungsgelegenheiten gibt, ein Cafe, ein Geschäft, eine Bibliothek, Gesprächsmöglichkeiten und diverse kürzere oder längere Angebote in Spiritualität. 6 Personen wurden von ihrer Bischöfin für das Zentrum beauftragt. Täglich werden in der Verantwortung des Pilgerzentrums die Tagzeiten und die Messe in der Klosterkriche gefeiert. Am Ende des Gesprächs sicherte mir der Pilgerpfarrer ebenfalls einen Praktikumsplatz für unsere Studenten zu. Zudem ist er bereit mich zu unterstützen, wenn ich mit Pilgergruppen oder mit Studienreisen nach Vadstena komme. Ja, ich bin sehr froh, dass ich im Moment überall offene Türen und Herzen für mein Anliegen finde. Und ich kann jetzt schon versprechen, wer dann einst in den Norden kommt wird hier ganz herzlich empfangen.

Sibylle Hardegger

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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