Ich suche nach dem verbindenden Element der zwei Gedankenstränge, die ich hier immer wieder aufnehme: Die Auseinandersetzung mit dem Neokonservativismus in der katholischen Kirche und diejenige mit der neuen politischen Rechten in der Schweiz. Dabei fällt mir auf, dass es einen Knackpunkt in den Argumentationen gibt, so dass die gelegentlich den Anschein erwecken könnten, sich gegenseitig zu neutralisieren. Es ist die Frage um Notwendigkeit, Grenzen und gar Gefahr von jeglichem Zentralismus. Die Schweiz ist stolz auf ihren Föderalismus, der das sozialethische Prinzip der Subsidiarität quasi in die Tagespolitik implantiert.Die Ablehnung eines EU-Beitritts, die Ablehnung «fremder» Richter und das Misstrauen gegenüber einem starken Zentralstaat, wie sie das Politisieren der neuen politischen Rechten in der Schweiz prägen, das sind auch meine Anliegen, aber sie werden dort von tiefbraunen Ideologen missbraucht (eben zugesandt – ungefragt! – in alle Haushaltungen: die Spezialausgabe der «Schweizerzeit» – Joseph G. hat wohl aus infernalischen Gefilden seine helle Freude an ihr), die sie mit dem gerade hier geschilderten üblen Sündenbockdenken, sprich Schuldzuweisungen an sich nur ungenügend wehren könnende Minderheiten, vermengen.Denn: Die Ablehnung eines zu starken bürokratischen und subsidiaritätsfeindlichen Zentralismus, das ist dem kritischen Katholiken eigen, sobald er seine geistigen Erwachsenenaugen geöffnet hat. Das an-die-Wand-Malen der Gefahr einer reinen Willkürlichkeit in Glaubenslehre und Glaubenspraxis, wie es von den neuen Ultramontanen als Gegenargumentation gerne vorgenommen wird, erscheint mir nicht wie das Vergleichen von Birnen und Äpfeln, sondern von Steinschleudern und Cruise Missiles!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant