Biographisches

Habe gehört/gelesen, dass sich Menschen in solchen Weblogs total outen, ihr Innenleben nach aussen kehren und ihre geheimsten Präferenzen kundtun. Ich werde mich hüten, hier solches nachzuahmen, gibt es doch Dinge, die an die Öffentlichkeit gezerrt nur peinlich wirken. Doch habe ich mir schon überlegt, ob ich mal einige Gedanken zu meinen Hobbies schreiben könnte, die sich um die Trias G-Ö-K (Gastronomie, Önologie, Kultur) scharen. Das vierte Hobby hingegen, das meinen Alltag sogar sehr prägt, werde ich wohl erst nach Erreichen des Pensionierten-Daseins thematisieren, es könnte mir an solch kirchlichem Orte sonst noch Tadel bescheren, zumal aus dem Munde meiner mir immer noch lieben Studienkollegen aus fröhlich linken Zeiten (Ludwig, Emilio, Urs, Peter, Niklaus – seid mir gegrüsst aus der Ferne, nun dürft Ihr rätseln).
Doch zum Ernsteren, zum Biographischen. Was ist die conditio religiosa eines Theologen, der in einer Bischofssstadt, ja in der Bischofspfarrei (der Dompfarrei zu St.Gallen mit ihrem herrlichen Barock), als Ministrant und Oberministrant während 11 Jahren, als bischöflicher Mikrophonhalter in vielen Pontifikalämtern (noch mit dem Rücken zum Volk am alten Hochaltar zelebriert) und als Lektor bis eine Woche vor der Diakonenweihe kirchlich sozialisiert wurde? Faszination an der Schönheit des «Katholischen», an der Gesamtästhetik, die diese Form des christlichen Glaubens ausstrahlt, am Gesamtkunstwerk, das katholische Liturgie darstellt (nicht umsonst ist der hier Schreibende auch seit 35 Jahren überzeugter Wagnerianer!), Faszination auch an der Selbstpräsentation der Hierarchie. der milde väterliche Bischof im vollen Ornat.
Ob Ihr/Sie es glaubt, bei aller geistig-theologischen Distanz zum katholischen System, die sich entwickelt hat, bei allem Protest gegen seine verabscheuenswerten Aspekte, diese Faszination hält bis heute an. Ich gebe dem Menschen recht, der einmal im «Publik-Forum» schrieb: «Warum darf man nicht kirchenkritisch und zugleich von der Schönheit der traditionellen Liturgie begeistert sein?» Das Eine ist eben Ethik, das Andere Ästhetik.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/biographisches/