Dr. Hardy Notter, abtretender Präsident des Administrationsrates (Exekutive) des Katholischen Konfessionsteils, der Katholischen St.Galler Landeskirche, hielt heute seine letzte Rede vor dem Katholischen Kollegium (Legislative), dem Parlament dieser Institution, dem anzugehören ich (dank demokratischer Volkswahl in meiner Kirchgemeinde) die Ehre habe.Hardy Notter selbst benutzte den Terminus «Schwanengesang» und kam in aller Deutlichkeit auf die Hauptsorgen, die ihn in seiner Funktion zum Ende der Amtszeit beschäftigten, zu reden: Auf den Versuch unserer kirchlichen Rechtsaussen nämlich, unser bewährtes duales Deutschschweizer Kirchensystem auszuhebeln, zum einen, und auf die Möglichkeit, dass wir wegen zu vielen Kirchenaustritten den Titel Landeskirche selber verspielen könnten, zum andern.Zu den jüngsten Reaktionen von Kurt Koch in der Causa Röschenz, insbesondere jene zum einstimmigen Urteilsspruch des Baslerlandschaftlichen Kantonsgerichts, äusserte sich Jurist Notter empört und wagte die Frage, ob es denn einem Bischof erlaubt sei, sich ausserhalb der staatlichen Rechtsordnung zu sehen und verbal zu stellen. Er äusserte die Hoffnung, dass sich der St.Galler Bischof Markus Büchel in der Bischofskonferenz für unser bewährtes duales System einsetzen werde, befürchtete aber zugleich, dass er dafür dort wohl kaum eine Mehrheit finden werde.Ich gebe ihm in Beurteilung und Befürchtung recht. Erst recht begeisterte er mich mit der Bemerkung, dass es eben Schweizer Katholiken und katholische Schweizer gebe, dass diese beiden Gruppen eine sehr unterschiedliche Beurteilung des Verhältnisses Staat-Kirche vornehmen und dass sich die zweite Gruppe, die katholischen Schweizer also, niemals ausserhalb der demokratisch gewachsenen Rechtsordnung unseres christlichen Staatswesens stellen würden.Chapeau zu diesem nicht sanft säuselnden, sondern heftig provozierenden Schwanengesang!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant