Das Grässlichste auch noch kurz notiert. Mit grossem Enthusiasmus sprachen der katholische Europapark-Seelsorger, Diakon Andreas Wilhelm, und der katholische Schausteller-Seelsorger, Pfarrer Ernst Heller, von den Möglichkeiten, die der Park für LOS-nahe Seelsorge bietet, und wie die gut katholische Besitzer-/Betreiberfamilie dies auch fördere. Ja, da gab es vernünftige Ansätze: Die norwegische Stabkirche im Park etwa ist neuerdings nicht nur ein putziges Dekorationsobjekt zwischen River-Rafting und Achterbahn, sondern hat auch ein rege genutztes Fürbittbuch und wird für Hochzeiten angeboten (»Heiraten im Park» und dann ab ins Vergnügen). Es gab dann eher seltsame Ideen, etwa die, mit Trauer-Selbsthilfegruppen (Menschen, die einen engen Angehörigen verloren haben) den Park zu besuchen. Ich glaube, dass ich als direkt Betroffener in so einer Gruppe vielleicht wandern oder Musik hören, aber sicher nicht einen Funpark besuchen möchte.Abends dann aber kam es arg und dick. Die beiden Kollegen führten uns ins Parkhotel Santa Isabella, im Stil eines portugiesischen Klosters eingerichtet und dekoriert. Zwischen Bar und Spa fanden wir da: Servierpersonal in Mönchskutten und Nonnenkleidern, eine Kapelle mit authentischem Altar, vom Foyer zugänglich, Schlafzimmer in Form von Mönchszellen und – last but not least – Beichtstühle mit integriertem Bankomat. Stolz verkündeten die Kollegen, dass es mit episkopalem Beistand von Weihbischof Martin gelungen sei, den Altar nicht als Reception zu nutzen.Mir ward sterbensübel ob solch dekadenter Perversion. Und stolz war ich darauf, schon seit vielen Jahren Mitglied von «Slow Food International» zu sein. Es braucht dringend auch religiöses Slow Food in dieser Welt.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant