175 Jahre Schweizerische Kirchenzeitung – Jubiläum in Luzern. Ein edler Anlass, von Urban Fink wohldurchdacht organisiert. a) Ein Gang in die Jesuitenkirche, Betrachtung des grau-braunen Gedünses über der katholischen Schweiz in einem Gemälde einer Seitenkapelle, Karl Borromäus und seine Engelein, schützend-fröhlich darob thronend, aus unserer Sicht die finsteren Bedrohungen des 17.Jahrhunderts im Gefolge der Reformation und der göttliche Schutz, der zuteil wurde. War die Reformation nicht und gerade auch für unsere Kirche heils-notwendig?b) Ein Gang in das Luzerner Staatsarchiv, Einblick in die Akten zum Anfang unserer Zeitschrift, also von 1832 bis 1840, Auszüge aus Kriminalakten, da die frommen Professoren-Hochwürden, die die SKZ begründeten, diese als konservative Kampfschrift gegen die modernen Bedrohungen des Liberalismus verstanden und von dessen juristisch-polizeilichen Mächten bespitzelt wurden. War der Liberalismus nicht und gerade auch für unsere Kirche heils-notwendig?Da waren dann auch (leider kamen viele der Eingeladenen nicht, sie verpassten nebst dem Rundgang einen edlen Znacht im Wilden Mann) Männer wie Anton Cadotsch, Ivo Fürer und Walter von Arx, Männer, die die Schweizer Kirchengeschichte der 70er bis 90er Jahre mitgeprägt haben, Männer, denen wohltuend anzumerken war und ist, dass Reformation und Liberalismus unsere Kirche heilend verändert haben. Wir Jungen müssen uns wohl überlegen, ob Rück-Schritte sinnvoll und (heils-)notwendig oder eben Unfug und unheil machend sind. Der fröhlich-fromme katholische Neokonservativismus entpuppt sich bei näherem Zusehen als plumpe Anbiederung und Anpassung an ein evangelikal-fundamentalistisches Verständnis von Religion und als unseriöse Abnabelung von wissenschaftlich-theoretischem Fortschritt.Aber eben, es geht unserem katholischen System nicht viel besser als einst dem kommunistischen! Viel Nostalgie (wie schön war doch die tridentinische Messe – ich als kleiner Ministrant leierte mir völlig unverständliche Texte herunter), viel Verklärung der Vergangenheit (was gibt es am Ersten Vaticanum zu verklären, Kompensation des Verlust politischer Macht durch dogmatische), viel viel Ideologie, wie sie seit Kant schon überwunden gehört. Wie sagte Herr Gorbatschow – «Wer zu spät kommt …» ?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant