Die stillen Leute

Diesen Leserbrief druckte das Tagblatt auf der Regionalseite St.Gallen und Umgebung ab:
Still – stiller – ganz leise
Ich lese die Tagblatt-Ausgabe vom 3.August. Noch im Ohr habe ich (und meine Haustiere) das fürchterliche Geballer am Nationalfeiertag. Ich frage mich schon – so sehr ich der Meinung bin, dass der Mensch zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens einen Anspruch auch auf stark reduzierten Stundenschlag hat – wo die stillen Menschen dann sind und sich einsetzen, wenn an Daten wie am 31.12., 1.8. oder auch am Open-Air der nächtliche Lärm stundenlang dauert. Ich habe den leisen Verdacht, dass Lärm, wenn er kommerzialisiert ist oder Fun-Bedürfnissen dient, locker akzeptiert wird. Da aber das Betzeitläuten weder Kommerz noch Fun dient, sondern Teil unserer mitteleuropäisch-christlichen Kultur ist, stört es plötzlich. Als wären vormittags 11 Uhr oder abends 19 Uhr Zeiten, zu denen man schon ein grosses Ruhebedürfnis verspürt!Wenn es einmal so leise wird im Land, ist ein Stück unserer Geschichte gestorben. Dann haben die Fastfood- und Drive-In-Kultur gesiegt. Und wir suhlen uns im Lärm der modernen Welt. Dann wandere ich endgültig in mein Tessin Dorf mit seinem eigenen Glockengeläut aus, denn da bin ich noch zuhause.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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