Gelesen aus der rechten Ecke

Mein Priesterkollege Erwin Keller in der aktuellen Ausgabe des St.Galler Pfarrei-Forums für den Lebensraum St.Gallen (geschrieben auf seiner Winkler Seite): Ihm kommen die momentanen Bemühungen um die Restrukturierung der Seelsorge (Seelsorgeeinheiten, Seelsorgeverbände, LOS etc.) vor, wie ein Haufen von Coiffeuren/eusen in einer unrentablen Firma, die sich mangels Arbeit gegenseitig ständig neue Frisuren verpassen.Böse, böse, denke ich, und doch wahr. Diese neuen Strukturen bedingten und bedingen zunächst vor allem unzählige neue Sitzungen, an denen sich die immer etwa gleichen Leute trafen und treffen, um neue Strategien der Seelsorge zu diskutieren. Aber Seelsorge geschieht doch primär in der Einzelbegegnung zwischen Seelsorgendem und Einzelmensch in einer spezifischen Lebenslage (Geburt, Krankheit, Beziehung, Zerbrechen der Beziehung, Lebenskrise, Alter, Tod etc.) und nicht in Sitzungen. Strategiepapiere sind insofern gut, als dass sie neue Formen der Individualseelsorge ermöglichen und fördern. Es geht nicht um uns (Immanuel, nicht der biblische, sondern der Pedant aus Königsberg lässt grüssen), sondern um «Leben in Fülle» für «die vielen».Ich zumindest ziehe es für die nun anbrechenden letzten elf Jahre meiner bezahlten Seelsorgearbeit vor, Menschen direkt zu begegnen, sie direkt zu begleiten, und nicht multiplikatorisch zu wirken. Für das habe ich Beruf und Berufung nicht er/be-griffen. Widerspreche, wer wolle.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/gelesen-aus-der-rechten-ecke/