Der Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert zitiert im aktuellen Publik-Forum (2007/Nr.14/S.43): In den Priesterseminarien sitzen heute nur noch Kandidaten, «die wir früher nicht reingelassen oder schnell wieder rausgeschmissen hätten». Böse, böse, nicht wahr? Aber leider war genau diese These schon mehrmals akzeptierte Grundlage von Gesprächen in unserer SKZ-Redaktionskommission (wie hier schon erwähnt mit Leuten aus beiden Kirchenflügeln besetzt und darum für die deutsche Schweiz einigermassen objektiv in der Wahrnehmung). Es muss (leider, leider – wehe den Gemeinden) angenommen werden, dass Beinerts Satz für eine Mehrheit der heutigen PAKs (Priesteramtskandidaten) stimmt.Traurig denke ich an die seligen Studienjahre 75-78 im Seminar St.Beat zurück. Unter der milden Leitung von Otto Moosbrugger, Paul Zemp und Fritz Schmid wohnte, debattierte, stritt (spielte Fussball, schlief am Morgen während der Eucharistie, räumte die Stühle aus der Kapelle) ein wilder Haufen voller theologisch-spirituell-intellektueller Kompetenz. Toni Peter, Urs Häner, Ludwig Spirig, Thomas Müller, Niklaus Späni, Felix Weder, Franz Günter, Jürg Bläuer, Peter Oberholzer, Hans Hüppi und viele mehr (ich bitte zu entschuldigen, wen ich gerade vergass). Ausserhalb der Seminarmauern bereicherten uns Doris und Silvia Strahm mit ihren Ideen, lauschten wir Arpad Horvaths Gedanken zum möglichen Mittelweg zwischen Christentum und Sozialismus.Peter Rüegger feierte so etwa alle 2 Jahre eine Eucharistie; die Diva Inge Borkh war da und machte uns klar, was Leben war; ja und Kurt Koch war da mitten drin und fühlte sich wohl – das wirst Du nicht abstreiten können!.Was ging da verloren, liebe Kollegen? Oder waren wir nur naiv und dumme junge Kirchenlinke? Bin ich alt geworden und verkläre die Vergangenheit?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant