Die «kleine» Theres

Heute abend partiell DRS 2 gehört. Gespräch mit Pierre Stutz über Religion, Gottesvorstellungen, Meditation und Mystik. War teilweise spannend, offenbarte Pierre auch als einen im guten Wortsinn «naiven» Menschen. Ist doch schön, dass es diese Kombination gibt: Mystiker, schwul, blitzklarer Theologe, Träumer … Bezeichnend seine Sympathie für die kleine Therèse. Die war und ist mir hingegen suspekt. Eine zurechtgezimmerte und von allem Unangenehmen gereinigte Heiligenbiographie, die wohl den Zielen diente, einmal die Rolle der Frau in der Kirche als leidend-dienend-liebend und zum andern die Rolle des (geschlechtsunabhängigen!) Christen als demütig-brav-warmherzigen Menschen zu definieren. Etwas Francesco und Chiara ist da ja schon drin, etwas Anton Bruckner auch, fällt mir auf, dessen Biographie ja ähnlich verzerrt wie die von Therèse dargeboten wurde und wird. Mir gefallen die handfesten Mystiker/innen besser, Hildegard von Bingen, eine Allroundwissenschaftlerin ihrer Zeit; Theresa von Avila, wehrhafter und standfester als ihre Namenskollegin oder den letzten und intellektuell wohl grössten seiner Zunft, Pierre Teilhard de Chardin.Ist es nicht schön, dass Christus-Nachfolge so verschieden gelebt wurde? Ist es wohl erlaubt, sie auch heute verschieden zu leben? Wer darf sich denn Mystiker/in nennen?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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