Wieder einmal Festspielzeit, wieder einmal Gelegenheit, in kurzer Folge Regie-Arbeiten verschiedenster Natur in Live-Übertragung ausführlich (etwa «Tosca» aus Bregenz oder «Eugen Onegin» aus Salzburg) oder in Kurzform (etwa die «Meistersinger» in Bayreuth) zu betrachten/bedenken und sie mit einheimischen Gewächsen (etwa in St.Gallen, wo ich zuhause bin, oder in Zürich) zu vergleichen.Für mich gibt es grob zusammengefasst folgende Sorten von Regisseuren/innen:- Die sorgfältig hinschauenden, die allgemeingültige Wahrheit hinter einem Werk erforschenden und eventuell, wenn Sinn vorhanden, auch zeitlich transponierenden. So war es mit dem «Don Giovanni» und der «Cavalleria» in St.Gallen, mit den «Meistersingern» von Lehnhoff in Zürich, so jetzt auch mit dem «Onegin» von Andrea Breth.– Die auf den Effekt und damit den Publikumserfolg bedachten, (in früheren Jahrzehnten ohne, heute mit Kritik) mit Degen, Samt und Seide dekorierenden (»Ernani» in St.Gallen, «Rigoletto» in Zürich), oder in grosser optisch vielfältiger Pracht arbeitenden (David Poutney generell – «Peter Grimes», «Holländer» und «Fanciulla» in Zürich -; Tosca» jetzt in Bregenz) oder auf Bühnen-Aktivismus bedachten (Harry Kupfer).– Die Wüstlinge (wenn etwas älter, nicht wahr, Herr Kusej?) oder Flegel (wenn noch jung, nicht wahr, Herr Schwarz?), deren primäres Bemühen es ist, dem treuen Publikum aufzuzeigen, wie dumm es ist, und die deshalb ein Stück absichtlich, ohne ersichtliche Logik und hässlich gegen den Strich inszenieren. Beispiele: a) «Salome», «Elektra» und «Zauberflöte» in Zürich; geht nicht hin, schaut auch den Mist nicht an, Ihr belohnt so noch den Täter! b) Die alte «Carmen» am selben Ort, man musste sie gleich wieder absetzen; Kusejs «Carmen» in Berlin. c) Alles von Herrn Konwitschny, Brechreiz auslösend. d) Die «Meistersinger»-Untat der jungen Frau Wagner, frisch begangen.Drum prüfe, wer Geld für Karten ausgeben will!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant