Ich war immer dagegen, dass die katholische Kirche die Feier eines bisher üblichen Ritus verbietet. Ich bin für eine Kirche, in der es eine Vielzahl von Riten gibt. Ich bin auch dafür, dass Kollegen, die hinter einem bestimmten Ritus stehen, diesen feiern dürfen sollen. So gesehen bin ich ja froh, dass ein apodiktisches Verbot gefallen ist.
Das ABER Nummer 1: Ist unsere Zentralverwaltung ebenso tolerant gegenüber anderen in neuerer Zeit entstandenen Riten? Ist sie etwa bereit, in ökumenischen Gemeinden zu gestatten, dass der Eucharistie nebst dem ordinierten Priester auch noch ein/e evangelische Kollege/in (mit)vorstehen darf? Erst wenn diese Frage geklärt ist, werde ich mich outen, wie begeistert ich über diese eine Grenzaufweichung in der Doktrin meiner Kirche bin.
Das ABER Nummer 2: Es ging und geht einem Teil der Anhänger des Tridentinischen Ritus ja gar nicht primär nur um diesen Ritus, sondern vielmehr um eine vollkommene Ablehnung des mit dem Zweiten Vaticanum enstandenen neuen Ritus und indirekt mit der gesamten Geisteshaltung des Konzils, hinter das sie zurückkehren und die Türen des Aggiornamento gerne schliessen möchten, um in splendid isolation abseits den Herausforderungen der Moderne zu leben. Bedeutet die Wieder-Zulassung des alten Ritus auch die Wieder-Zulassung des alten Denkens, etwa im Sinn des Antimodernismus-Eides oder der Ablehnung der Evolutionstheorie? Dann wäre in dieser Kirche weder für mich noch für viele meiner Kollegen/innen noch genügend Luft zum Atmen, Arbeiten und Leben.
Gespannt harre ich der Ausführungen unserer Bischöfe und dem Modus, wie das Motu, sei es horribilis oder nicht, angewendet werden soll.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant