Übereinstimmungen

Back aus sehr nassen Ferienwochen im Ticino eine erste Bemerkung.
Ich lese im letzten Text, den der überraschend verstorbene Pater Paul Vautier für den Rundbrief der Schweizer Schönstatt-Patres geschrieben hat:
«Bei uns (in der Welt des Westens – Anm. des Bloggers) kombinieren sich die Hektik, der Druck der Arbeit, die perfekte Organisation, der hohe Lebensstandard und die Erwartung, dass alles fit und wenn möglich gestylt sein soll, zu einer oft relativ anonymen Kultur, in der der einsame Held, die perfekte Frau mit der besten Leistung gefragt ist und oft untergeht. Für den priesterlichen Dienst wirkt sich das so aus, dass die Arbeit des Seelsorgers sich schon lange nicht mehr mit den Seelen befasst. Das Ausmass an Verwaltungarbeit, an Organisation und Teamsitzungen ist gewaltig gestiegen. Die Zusammenlegung der Pfarreien bedeutet eine Steigerung in verwaltungsmässiger Routinearbeit und eine Verminderung der Zeit, die frei bleibt, sich wirklich einzelnen Menschen zu widmen, für sie da zu sein, ihnen zuzuhören und ihnen ein vertrauensvoller Begleiter zu sein. Mich wundern die geringen Zahlen für den Priesterberuf hierzulande gar nicht. Das normale Pfarramt ist für jemanden, der sich auf Menschen einstellen will, nicht mehr anziehend.»
Recht hat er! Im Umfeld der Bildung von Seelsorgeeinheiten in unserem Bistum und auch (leider manchmal) im Umfeld unseres Prozesses LOS kann ich das Obige nur bestätigen. Und ich weiss, dass mir mein Mitbruder in unserer Seelsorgeeinheit, mit dem ich das ekklesiologische Heu nun wahrhaftig nicht auf der gleichen Bühne habe, ebenfalls zustimmen wird.
Gefragt wären doch Priester als spirituelle Menschen, als Ratgeber, die aus der Tiefe schöpfen, als Nachdenkende über das Grundsätzliche in einer oberflächlichen Welt. Nachzulesen etwa bei Hermann Hesse (sei es in «Narziss und Goldmund», sei es im «Glasperlenspiel» oder auch in «Siddharta», wo sogar ganz und gar unkatholisch Ekstase und Vertiefung zusammenfinden).
Was tun Personalverantwortliche und Bischöfe, was tun wir Seelsorgenden? Wie arbeiten wir dem von Paul Vautier leider so gut erkannten Phänomen entgegen?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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