kai theos en ho logos

Achtung: Minengebiet ist es, das wir nun betreten. Misstrauisch beäugt von den konservativen Apparatschiks, vom ganzen heiligen Offizium zumal und allen rechtgläubigen Evangelikalen dazu, ironisch kommentiert von den A-Theisten der Geistesgeschichte, wagt sich Robinson an das Gefährlichste, was ein Theologe tun kann, an eine neue Christologie. Kein verkleideter Gott in Menschengestalt, kein humanistischer neuer Zeus, ist es, der uns in Jesus aus Nazareth begegnet (Robinson: Supranaturalismus, wohl der Glaube des einfachen Volkes bis tief ins 20.Jh.), aber auch nicht einfach der gott-ähnlichste, weil edelste und beste Mensch (Robinson: Naturalismus). Die Orthodoxie hatte Recht mit ihrem Kampf um die Wahrheit, nur erkaufte sie sich den Sieg durch eine «komplizierte Begrifflichkeit» (S.76).Ist der Ansatz weniger kompliziert? Hören wir hinein. Johannes dominiert. Das Paradox, «dass Jesus sich selbst keine eigene Bedeutung zuschreibt und doch zugleich die höchste Bedeutung dem zumisst, was Gott durch ihn und nur (! – der Kommentator) durch ihn tut» (S.79) als Antwort. Jesus nur als der Gekreuzigte Träger der göttlichen Offenbarung und Verkörperung von Gottes entscheidender Tat (S.80). Und schliesslich die Synthese: «Jesus ist ‘der Mensch für andere’, der, in dem die Liebe zur Macht gekommen ist, der dem Grund seines Seins gegenüber ganz offen ist und mit ihm völlig eins ist. Dieses ‘Dasein-für-andere, in der Teilnahme am Sein Gottes’, ist Transzendenz.» (S.82)Faszinierend, wohltuend! Das könnte zu einer Versöhnung unseres neuen schöpfungsspirituellen Ansatzes mit der alten Theologie führen. In bescheidener Angehrn’scher Sprache: Der Mensch Jesus aus Nazareth war in seiner Selbstlosigkeit der verheissene Gottesknecht, in ihm drang das Göttliche jeder Menschen-Existenz völlig durch. Er war und ist der neue Mensch, und ruft uns selber dazu, neue Menschen zu werden und unsere versteinerte Herzen Fleisch werden zu lassen.Metanoia! Werde, zu dem Du bestimmt bist! Jakob, Zachäus, Francesco, Dietrich, wir …

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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