Anmarsch zum Thema II

Das klassisch kirchlich-konservative Argumentatorium zum Thema Beihilfe zum Suizid lautet: Gott allein ist Herr über das menschliche Leben; es steht dem Menschen deshalb nicht zu, über seine Lebensdauer selber zu entscheiden. Dogmatisiert worden ist diese Aussage meines Wissens in der vollendeten Form nie, trotzdem wird sie aber de facto so verwendet. Wie ich etwa wegen meines Engagements für Exit zitiert wurde, erlebte ich es so.Biblisch-theologisch ist die Aussage in dieser Fokussierung aber höchst problematisch. Wenn der Mensch Gottes Ebenbild ist (Gen 1), wenn zu dieser Ebenbildlichkeit der freie Willensentscheid des Geschöpfes Mensch in seinem Wissen um Gut und Böse gerade in der Abgrenzung gegenüber den Tieren (Gen 2f in der genialen Auslegung durch Gerhard von Rad im ATD) gehört, dann ist Gott zwar der alleinige Herr über Leben und Tod, hat aber diese Entscheidungsbefugnis seinem besonders geliebten und herausgehobenen Geschöpf Mensch als gewichtigen Anteil und hohe Verantwortung des freien Willens übertragen. Und die ganze etwas kurzgeschlossene Argumentation bricht in sich zusammen.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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