Schritte hin zu John Shelby Spong: John A.T.Robinson

Es ist offensichtlich: Einen klaren theologischen und intellektuellen Zugang zu Spongs Buch und damit verbunden ein Verständnis dafür, warum er vom «dying» des bisherigen Glaubens spricht, gewinnen wir nur in grossen geistesgeschichtlichen Bögen, die Feuerbach, Tillich, Bultmann, Bonhoeffer und insbesondere das 1963 erschienene und bald skandal-umwitterte Buch «Honest to God» (»Gott ist anders») von John A.T.Robinson umfassen.
Ich sage voraus, dass wir zum Ende unserer Überlegungen plus minus an den selben Punkt ankommen werden, den der – meiner privaten und darum wenig relevanten Einsicht gemäss – bedeutendste Theologe der letzten 25 Jahre, Matthew Fox, mit seiner Schöpfungs-Spiritualität schon erreicht hat. Nichtsdestotrotz sei der geistige Gang gewagt. Halten wir zunächst einige Prologomena fest:
1. Es fällt auf, dass sowohl Spong wie auch Robinson der anglikanischen Kirche angehören. (PS: Es fällt auch auf, dass Fox zur anglikanischen Kirche überwechselte!) Anscheinend ist in dieser Glaubensgemeinschaft ein freieres Spekulieren in Grundfragen der Theologie (wie es die Gottesfrage nun einmal ist) möglich, ein Spekulieren, das in der katholischen Kirche noch heute systembedingt abgewürgt und eingeengt wird. Trotzdem aber – und Robinson und Spong zeigen dies mit entsprechenden Kapiteln auf – bemüht sich die anglikanische Kirche um Liturgie, Gebet und Spiritualität in einem Ausmass, das das klassische evangelische Theologisieren weit übersteigt.
2. Es fällt auf, dass Robinson und Spong ihre Bücher schrieben, nachdem sie schon in «Amt und Würden» sowohl als Theologen wie als Kirchenverantwortliche gelangt waren. Anscheinend ermöglicht ein höheres Amt in der Kirche den Einen, schlagartig die Persönlichkeit zu wechseln und als blosse Apparatschiks zu funktionieren, den Andern aber, in grösserer Freiheit dafür einzustehen, dass «traditional faith» nicht das Ende allen Theologisierens darstellt, sondern dass er auch in substantiellen Punkten überwunden oder besser (Hegel hat uns hier den Weg gewiesen) in eine geistige Synthese mit dem neuen Sprechen und Denken der Welt des homo non-religiosus gebracht werden kann und muss.
3. Die zentrale Frage ist die Gottesfrage, und nämlich in folgenden Facetten: a) Was meinen wir eigentlich, wenn wir uns Gott als etwas Personelles vorstellen? b) Was meinen wir eigentlich mit der Unterscheidung Transzendenz – Immanenz? c) Was sagt uns vor dem Hintergrund solcher Fragen der klassische (und hier – Kuitert lässt grüssen – heftig umstrittene) Begriff der «Inkarnation»?
4. Zum Schluss wieder einmal: Evangelikale und Katholikale aller Länder, lest ab jetzt in dieser Sache nicht weiter. Es wird euch verwirren, verärgern und zu Verdammungen führen. Und da diese Verdammungen nur euch selber treffen, lasst es sein! Alle anderen aber lade ich zur geistigen Reise ein.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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