Bischofswahl in St.Gallen

Da war er: Der magische Moment, als man im Grossrats-Saal von St.Gallen erleben konnte, dass trotz allem zurzeit vorherrschendem elenden Zentralismus die Kirche von unten noch lebt. Gestützt auf Verträge und Abmachungen aus dem 19.Jahrhundert erhielt das Parlament der St.Galler Katholiken/innen sein angestammtes Recht zur Mitwirkung an der Bischofswahl. Unter den 180 von ihren Kirchbürgern/innen gewählten Parlamentariern/innen befanden sich nur gut 10 Priester und 10 weitere Seelsorgende, an die 160 waren einfach nur Laien. Und sie durften mitentscheiden! Als Präsidentin leitete die St.Galler Spitalseelsorgerin Fabienne Bucher die Versammlung und hielt eine kirchengeschichtlich fundierte und kirchlich engagierte Eröffnungsrede, in der sie aufzeigte, dass die Mitwirkung der kirchlichen Basis an einer Bischofswahl während Jahrhunderten die Regel und nicht die Ausnahme war, und darlegte, dass die St.Galler Ausnahmeregelung eigentlich besser der katholischen Tradition entspricht. Und sie durfte und konnte reden, und tat das gut. Der Präsident des Katholischen Administrationsrates, Hardy Notter, tadelte in seinem Votum mit engagierten und leicht angriffigen Worten das Verhalten und insbesondere die Wortwahl des päpstliche Nuntius im Vorfeld der jetzigen Bischofswahl und pochte vehement und auf Italienisch (damit der Nuntius das denn auch verstehe …) auf das Völkerrecht. Er tat dies, und erhielt fröhlichen und herzlichen Applaus. Und dann öffnete die Präsidentin die Liste, verlas sechs Namen und sechs Lebensläufe, und das Parlament schritt zu seiner Pflicht, in geheimer Abstimmung diese Namen zu prüfen und – so einzelne Kandidaten als staatskirchlich problematisch zu bewerten wären – als minder genehm zu bezeichnen. Und es tat es, ernsthaft und engagiert.Ich wage unter Einhaltung der Geheimhaltungspflicht, die bis zur von Rom kleinlich erzwungenen Wartefrist von 2-3 Tagen besteht, zu sagen: Die Sechserliste des St.Galler Domkapitels ist eine gute und teilweise sogar mutige. Mehrere der Kollegen darauf wären gute Bischöfe für St.Gallen. No panic also auf dem St.Galler Kirchenschiff! Veni, creator spiritus, und erfülle den Neugewählten mit Power (sprich: Widerstandsgeist), Mut und sozialem Engagement.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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