Alles veggi – oder was?

In ihrem Blog diskutieren Jonas Amherd und Moritz Bauer, die beiden Bundespräsides von Jungwacht Blauring Schweiz, über aktuelle verbands-, kirchen- und gesellschaftspolitische Themen. Ein ehemaliger Walliser Jungwächtler trifft auf einen deutschen Expat. Die beiden Theologen teilen sich zwar ein Büro, aber nicht immer dieselbe Meinung. Selbstkritisch, nicht immer ganz ernst gemeint und etwas überspitzt, diskutieren sie heute zum Thema:

Fleischkonsum in Jungwacht Blauring Schweiz

Jonas: Anfangs September hatten wir wieder unseren alljährlichen Präsideskurs. Das war super! Apropos super: Beim Abschluss-Essen liessen wir es uns wirklich gut gehen: Ein 4-Gänge-Menu wurde den fleissigen Kursteilnehmenden serviert! Ganz gemäss unseren Haltungen.

Moritz: Wie kann ein 4-Gänge-Menue unseren Haltungen entsprechen? Gehören Dekadenz und Völlerei neu zu den Haltungen der Jubla? Wobei, eigentlich typisch für einen kirchlichen Anlass. Freitags Fisch aber ansonsten immer Fleisch und ein feiner Roter!

Wir reduzieren den Konsum von tierischen Produkten auf ein vernünftiges Mass.

Haltungspapier Nachhaltige Entwicklung

J: Hast du in deinem Studium eigentlich auch mal die Bibel gelesen? Dort heisst es klar: «Denn wer hat zu essen, wer weiß zu genießen, wenn nicht ich?» (Koh 2,26). Zwar nicht die Bibel, aber auch wegweisend ist unser Haltungspapier Nachhaltige Entwicklung: «Wir reduzieren den Konsum von tierischen Produkten auf ein vernünftiges Mass.» Das komplette Menu war vegetarisch – niemand hatte was daran auszusetzen.

M: Ausgerechnet von dir als waschechter Walliser Katholik hätte ich das nicht erwartet. Wer hat denn bei jeder Wanderung immer irgendwo eine Hauswurst im Rucksack dabei?

J: Ich sage ja auch nicht, dass wir gänzlich auf Fleisch verzichten sollen.

M: Ich sage doch sollten wir. Wäre nur konsequent! Fleischkonsum ist nachgewiesen schlecht für die Umwelt: Der ganze CO2-Ausstoss und die Nahrung für die Tiere. Es scheint mir recht heuchlerisch, als Jubla zu propagieren, man sei naturverbunden und ach so verantwortungsbewusst, à la «Bewahrung der Schöpfung», aber dann doch nur solange es nicht meinen eigenen Teller betrifft.

Wenn Fleisch, dann nur aus nachhaltiger, lokaler Produktion bei der auf das Tierwohl geschaut wird.

J: Darüber haben wir tatsächlich diskutiert. Für die einen ist klar: In der Jubla sollten wir mit gutem Beispiel voran gehen und Fleisch aus dem Menu-Plan der Lagerküchen streichen. Für andere wäre es undenkbar, auf eine über dem Lagerfeuer gebratene Cervelats zu verzichten. Was aber für alle klar ist: Wenn Fleisch, dann nur aus nachhaltiger, lokaler Produktion bei der auf das Tierwohl geschaut wird.

M: Cervelats, so schweizerisch!

J: So fein!

M: Hmm…

J: Weisst du, typisch schweizerisch suchen wir den Konsens und sprechen unseren Mitgliedern viel Eigenverantwortung zu. So auch bei diesem Thema. Sensibilisierung ja; Verbot nein!

M: …naja immerhin hat’s ja nun wieder genug Därme für die Cervelats…

J: …und wir können auf Plastik-Kunstdärme verzichten!

M: Na dann, wohl bekommts.

J: en Güete!

Jonas Amherd & Moritz Bauer

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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