Selbstmorde waren eine beunruhigende Tatsache und Wahrheit, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Als Kind war ich ein Ministrant in der Kapuziner-Klosterkirche. Da gab es eine Bahnstrecke auf dem Weg zur Kirche und oft sah ich Menschen Selbstmord begehen oder die Leichen jener begangenen Selbstmorde.
Unter all diesen und den späteren Erfahrungen in meinem Leben, erinnere ich mich noch mit Schock an drei solcher Vorfälle.
11 Jahre alt war ich an einem Karfreitag mit dem Velo zur Klosterkirche unterwegs. Plötzlich erschien einen Mann aus seinem Haus springend vor meinem Velo und sprang direkt vor den Zug. Diese Szene ist immer noch lebendig in meinem Kopf. Seine Leiche wurde in viele Stücke zersplittert.
Nach zwei Jahren feierte einer meiner Kommilitonen eine kleine Party und schenkte uns Eis. Am späten Abend erfuhr ich, dass er vermisst wird. Am nächsten Tag haben wir alle in der Schule gehört, dass er Selbstmord beging. Bei seiner Beerdigung wurden meine Augen feucht und mein Mund schmeckte nach dem Eis, das er uns am letzten Abend geschenkt hat.
Danach, als ich im Priesterseminar war, erlebte ich noch ein schockierendes Ereignis. Wir sollten frühmorgens zu dritt in der Küche arbeiten und während dieser Zeit haben wir gesehen, wie jemand in den Wassertank sprang, der 5 Meter tief war. Als wir ihn aus dem Tank gerettet hatten, sahen wir, dass er seine Venen an beiden Händen und Beinen durchgeschnitten hatte. Er überlebte, aber er ist nach einer schwierigen leidendvollen Zeit immer noch behindert. Ich kann den Anblick der verletzten und zerschnittenen Venen an seinen Händen und Beinen nicht vergessen, die ich von so nah sehen musste, als wir ihn ins Krankenhaus brachten.
Wie können wir das rechtfertigen, wenn ein religiöser Mensch das tut? Was in mir diese Erinnerung ausgelöst hat, ist der Selbstmord einer religiösen Nonne in Kerala, dem südindischen Bundesstaat, von wo die höchste Zahl von Nonnen und Priestern kommt. Ich werde darüber in meinem nächsten Blog-Beitrag weiter schreiben.
George Francis Xavier
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant