Kirche(n) und Skandale

«Da wird gerade wieder mal eine andere Sau durchs Dorf gejagt» – diesen mittel edeln Ausdruck benutzte einer der mächtigen Schweizer Kirchenverantwortlichen kürzlich mir gegenüber mit Bezug auf die Causa Locher. Es stimmt: Die Medien haben grosse Freude, wenn sie in den Religionsgemeinschaften Konflikte und Skandale und vor allem Verfehlungen von Kirchenmännern ausgraben und ans Licht der Öffentlichkeit zerren können.
(Erstes PS: Die rein männliche Form scheint mir hier angebracht, da es ja wirklich fast immer Männer sind, die am Pranger stehen und als grundsätzlich machistisch und übergriffig, ergo böse, gelten.)

Warum diese Vorliebe der Medien und Medienmenschen für religiös-kirchliche Skandale? Man zieht natürlich gerne über alles her, was im Umfeld von Glanz und Gloria so kreucht und fleucht, Royals und Promis aller Art. Und dazu zählen, es sei geklagt, inzwischen auch religiöse Führer und Autoritäten.
(Zweites PS: Manchmal scheint mir, als hätte man(n), medienman(n) gemeint, sich vorgenommenen, das Erbe der Französischen Revolution zu übernehmen und die beiden oberen Stände für immer zu diskreditieren.)

Und doch sehe ich einen gewichtigen Unterschied. Wenn jemand das Pech hat, in eine royale Familie hineingeboren zu werden, kann er herzlich wenig dafür. Und dann kann es eben sein, dass nicht nur brave Kinder, sondern Harrys und Alberts, ins Licht der Bühne treten.
Aber, ein wichtiges Aber: Religiöse Führer und Mächtige, haben ihren Weg selber gewählt, fühlen sich gerufen, in der katholischen Variante sogar be-rufen. Sie sind freiwillige Verwalter des Heiligen, ja in der katholischen Variante Träger des character indelebilis. Und das ist dann ethisch-moralisch eine andere Verpflichtung. Bischöfe, Kardinäle, Kirchenratspräsidenten etc., auch schon die Feld-, Wald- und Wiesenseelsorger, zu denen ich gehörte habe, haben eine Vorbildfunktion, gerade gegenüber jungen Menschen, solchen, die ihren Weg ins Leben suchen. Und da ist moralische Versagen, ja schon eine gröbere Charakterschwäche (wie beim Schreibenden der Hang zur Arroganz…), problematisch. Und es ist darum sogar gut, wenn dies medial offensichtlich wird!

Die wirklichen Sauen soll man jagen dürfen, aber erst nach gründlichster Abklärung und mit reinstem Gewissen.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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