Spontaneität ist gefragt, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie eigentlich gedacht waren. Für den 29. Oktober 1965 waren verschiedene Abstimmungen zur Konstitution über die Offenbarung vorgesehen. Die auf Ferien bedachten Konzilsväter waren eigens gemahnt worden, für diese Abstimmung noch da zu sein. Die Abstimmung sollte nach einer Relatio stattfinden, die über die wichtigsten Veränderungen informieren sollte.
Beauftragt mit dieser Relatio war der niederländische Bischof Jan van Dodewaard, der an der vorgesehenen Stelle aufgerufen wurde. Bischof André-Marie Charue fragte sich, ob er wohl da sei, denn er hatte davon gesprochen wegzufahren. Tatsächlich schien er den Moderatoren gesagt zu haben, sie sollten an seiner Stelle Charue damit beauftragen, die Relatio vorzutragen. Charue notierte in seinem Tagebuch: «Ich war mir dessen so wenig bewusst, dass ich an diesem Tag mit Strassenkleidung in der Aula war, weil wir [hinterher] noch in die Kommission über das Schema XIII gehen mussten». Auf ausdrückliche Weisung Johannes› XXIII. http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m93707 war für die Konzilssitzungen liturgische Kleidung vorgesehen.
Charue berichtet: «Man rief also und er kam nicht! So erging der Aufruf von Kardinal Lercaro ‹Exc. A.M. Charue möge die Relatio vortragen …›. Ich ging also inmitten von amüsierten Augen zum Mikrophon! Ich liess mich auf das Spiel ein, indem ich begann: ‹Auch wenn ich kein Hochzeitsgewand habe, antworte ich bereitwillig …›. Die Lacher waren auf meiner Seite» (Cha 274).
(emf)
Konzilsblogteam
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