Kleinarbeit ohne die grossen Perspektiven

Während viele Konzilsväter während der vierten Session «Ferien» erhalten, werden andere unter der Arbeit fast erdrückt. In kürzester Zeit müssen die Vorschläge der Konzilsväter – die manchmal nicht einmal fristgerecht eintreffen – durchgeschaut und eingearbeitet werden (ähnlich wie in den vergangenen Tagen der Bischofssynode!). So schreibt Yves Congar, der während des ganzen Konzils hart gearbeitet hatte, Ende Oktober 1965: «Ich trete in die am meisten belasteten Tage meiner ganzen konziliaren Tätigkeit ein» (Co 2,444).
Er reflektiert dabei auch über die Art und die Herausforderung dieser Arbeit, von der er nicht gedacht hätte, dass sie so schwierig ist. Ihm ist die Überarbeitung von Artikeln aufgetragen, die er nicht selbst redigiert hat, so dass er bei Veränderungen erst einmal sehr aufmerksam den Gesamtzusammenhang studieren muss, um den Gedankengang nicht zu verunklaren (Co 2,481).
Vor allem aber ist er unglücklich über die Vorgehensweise. Die Vorschläge, die er verarbeiten soll, sind ihm aus Konzilsreden und schriftlichen Eingaben der Konzilsväter zusammengestellt worden. Dadurch aber hat er nicht den ganzen Text der jeweiligen Rede oder Eingabe vor sich, sondern nur den Auszug, der einen bestimmten Paragraphen betrifft. «Es fehlen ausgerechnet die Ideen, die Vorschläge, die Inspirationen. Es bleibt hier NICHTS von verschiedenen wichtigen Reden, die eher Perspektiven aufgezeigt als Detailveränderungen vorgeschlagen haben.
Man verlangt aber von uns […] eine wirklich tiefgehende Überarbeitung. Es ist UNMÖGLICH, dies MIT BEZUG AUF DIE WÜNSCHE DER VÄTER auf der Basis der Dokumente, die man uns gegeben hat, zu tun» (Co 2,447). Diese Kritik wiederholt Congar einige Tage später: «Unsere Arbeit ist nicht seriös, sie ist viel zu übereilt. Von zu vielen Interventionen, Reden und Bemerkungen der Väter haben wir keinerlei Spur, nicht einmal einen Auszug, in der Dokumentation, die man uns gegeben hat. Wir haben weder eine ausreichende konziliare Basis noch die notwendige Zeit, um den Text zu überarbeiten» (Co 2,452).
Für die oft kritisierte Berufung auf den Geist des Konzils könnte hier eine strukturelle Wurzel zu finden sein: Bei der Überarbeitung von Texten hatten Detailvorschläge unweigerlich mehr Chance umgesetzt zu werden als grosse Perspektiven, die sich mindestens in der letzten Konzilssession ungeachtet ihres Gewichtes nicht mehr entfalten konnten.
(emf)

Konzilsblogteam

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