Nicht geringer als die technische Revolution sei die «psychoanalytische Revolution», die sich vor unseren Augen vollziehe. Auf die damit verbundenen epochalen Herausforderungen machte während der Diskussionen um die werdende Pastoralkonstitution Gaudium et spes Ende September 1965 Sergio Méndez Arceo (zu ihm s. http://www.diocesisdecuernavaca.org.mx/Diocesis_de_Cuernavaca/Mendez.html), von 1952 bis 1982 Bischof der mexikanischen Diözese Cuernavaca, aufmerksam. Die Einsichten Sigmund Freuds seien ebenso ernstzunehmen wie diejenigen von Kopernikus und Darwin.
Seine fulminante Konzilsintervention vom 28. September 1965 stellt im Grunde einen umfassenden, im Sinne von Gaudium et spes zugleich theologischen wie pastoralen (und dadurch Theologie und Pastoral in eine beständige Wechselbeziehung bringenden) Arbeitsauftrag dar. Seine Dringlichkeit erhält dieser einerseits durch den weitreichenden Appell, die Erkenntnisse aus Psychoanalyse und Tiefenpsychologie theologisch in Beziehung zu bringen mit der religiösen Sicht des Menschen als Wesen der Transzendenz. Nebenbei bemerkt ist dies für Méndez Arceo die sinnvollste und sachgerechteste Auseinandersetzung mit dem Atheismus, der dadurch zugleich ernstgenommen wird wie eine durch ihn hervorgerufene Sprachlosigkeit des Glaubens in einen auch für den Glauben konstruktiven Dialog überführt werden kann. Andererseits benennt er einige Konsequenzen aus dieser Beziehung zwischen Psychologie und Transzendenz. Er fasst diese Konsequenzen in der Beobachtung zusammen, dass der Mensch mit seinen Fähigkeiten mittlerweile selbst «die Geschichte beschleunigt» und dass der Glaube von diesem Sachverhalt nicht absehen kann.
Mit dem Absoluten und der Geschichte, in der ersteres je neu durch die Menschen wirken will, benennt Méndez Arceo die grundsätzliche Spannung des christlichen Lebens und Denkens zwischen Universalität und Konkretion. Nur wenn beides, das Absolute und die Geschichte der Menschheit wie des je einzelnen Menschen, mit allen dafür zur Verfügung stehenden Mitteln ganz ernst genommen werden, kann diese grundsätzliche und nie ganz aufzulösende Spannung fruchtbar werden. Auf diese Weise ist ein christlicher Beitrag zu einer auch über die Grenzen der Kirche hinauswirkenden Anthropologie möglich. Méndez Arceo mahnt an, in diesem Sinne einen umfassenden Dialog zu führen als Dienst am Menschen in seiner Aufgabe, Geschichte zu gestalten.
(mq; vgl. AS 4/2, 625-627)
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